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Hans Jürgen Noss, MdL

Nahe Zeitung vom Montag, 21. Oktober 2019

Erfolgreiche Azubibmesse setzt Wirtschaftsförderungsgesellschaft unter Druck: Personelle Unterstützung gefordert.
Es war ein durchaus ungewöhnlicher Schritt, den der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH (WFG) wählte, um auf die personelle Misere der Abteilung (die ja nur scheinbar selbstständig ist) aufmerksam zu machen. Im Kreisausschuss sagte Michael Dietz, dass sein Team es vom Arbeitsanfall her nicht schaffe, die so erfolgreich umorganisierte Ausbildungs- und Jobmesse jährlich auszurichten.

Schon in diesem Jahr seien haufenweise Überstunden angefallen, ein Mitarbeiter habe sogar seinen Urlaub abbrechen müssen: „Das kann man mal machen, es darf aber nicht zur Regel werden“, so Dietz, der von einem September sprach, „der personell so nicht zu schaffen ist“: Azubimesse, Audi Nines, Chinareisevorbereitung – all das musste die WFG sozusagen nebenher stemmen. Entweder müsse eine weitere Stelle geschaffen oder entsprechende Mittel bereitgestellt werden, um sich Hilfe auf dem freien Markt holen zu können, lautete seine Forderung.

Das überaus positive Ergebnis der neu formierten Veranstaltung in der Messe Idar-Oberstein mit dreimal mehr Besuchern als in den Vorjahren in der Mikadohalle (1500), mehr Ausstellern (78) und vor allem am Ende deutlich zufriedeneren Unternehmern und Schulen sorge jetzt für viel Zugzwang, erläuterte Dietz. Vor allem das professionellere, wertige Ambiente in der Messe habe allen Beteiligten gut gefallen. Zudem sei es gelungen, über die sozialen Medien die junge Generation zu erreichen und zu interessieren. Ein Zurück in die Turnhalle wolle niemand.
Keiner will den Zweijahresrhythmus

Will man diese Messe aber schon im Herbst 2020 wiederholen, müsse man jetzt loslegen, warnte Dietz. Die Alternative Zwei-Jahres-Rhythmus war bei einer Befragung von der großen Mehrheit der Aussteller abgelehnt worden. Landrat Matthias Schneider sprach sich dafür aus, diesem Wunsch der Unternehmer zu entsprechen. Die Veranstaltung passe auch „sehr gut zu unserem Messestandort Idar-Oberstein: Etwas Ähnliches gibt es zwischen Mainz und Saarbrücken nicht“, das habe auch die Agentur für Arbeit bestätigt.

Gegen weitere Planstellen sprachen sich SPD, aber auch Freie Liste (FL) und FDP aus. Schon im Sozialbereich sind wegen des neuen Teilhabegesetzes sieben neue Stellen im neuen Haushaltsplan 2020 vorgesehen, die – wie immer – von Bund und Land nur zum Teil finanziert werden. Zudem möchte der Landrat einen zweiten Brandschutzbeauftragten, weil der derzeitige Einzelkämpfer angesichts immer höherer Anforderungen hinten und vorn nicht rund kommt.

„Stemmen wir die Messe denn alleine?“, fragte Bernhard Alscher (FL) und schlug vor, Kammern („Die bekommen ja hohe Beiträge“) und Arbeitsverwaltung stärker einzubinden. Fachkräfterekrutierung sei eigentlich Aufgabe von IHK und Handwerkskammer. Das sieht auch Hans Jürgen Noss (SPD) so, der auch die Unternehmen in die Pflicht nimmt: „Wir machen deren Arbeit. Da kommt zu wenig.“ Zunächst sollte mit allen anderen Beteiligten über eine Kosten- und Arbeitsaufteilung gesprochen werden, „bevor wir den Stellenplan weiter aufblähen“, so Noss.
Finanzrahmen nicht ausgeschöpft

Auch Immanuel Hoffmann und Peter Simon (CDU) finden „eine weitere Stelle schwierig“. Auch sie schlugen vor, Teile der Verantwortung für die Azubimesse zu den Kammern oder der Arbeitsagentur zu verlagern. Einzig Tanja Krauth (Linke) sprach sich für eine neue Stelle aus: „Da wird gute Arbeit gemacht.“ Gerade die Azubimesse in der neuen Aufstellung mit Scouts und Ansprache über die sozialen Medien sei wichtig: „Viele unserer Jugendlichen haben niemand zu Hause, der sie beraten kann.“ Matthias Keidel (FDP) dankte dem Wirtschaftsförderungsteam für ihre „ganz tolle Arbeit“. Endlich sei es mal gelungen, junge Leute anzusprechen. Auch er ist gegen eine neuen Planstelle, will lieber die finanziellen Mittel der WFG erhöhen. Und: „Eine stärkere finanzielle Beteiligung der Unternehmen sollte kein Problem sein.“

Herrsteins VG-Bürgermeister Uwe Weber (SPD) wurde konkret und schlug vor, aus seiner und anderen Kommunalverwaltungen personelle Unterstützung abzustellen: „Das hilft auch bei der Identitätsfindung.“ Landrat Schneider schlug schließlich vor, das Verfügungsbudget der WFG um 50.000 Euro aufzustocken, was Michael Dietz – die Bedenken der Aufsichtsbehörde ADD vorausahnend – aber zurückwies. In der Tat ist es so, dass die WFG den derzeit geltenden Verfügungsrahmen in Höhe von 630.000 Euro für Personal- und Sachkosten noch nie ausgeschöpft hat. In diesem Jahr liegt man bei 590.000 Euro, was bei zwei Enthaltungen beim Tagesordnungspunkt „Gesellschaftseinlagen des Nationalparklandkreises für die WFG GmbH“ vom Kreisausschuss so genehmigt wurde.