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Hans Jürgen Noss, MdL

Nahe Zeitung vom Donnerstag, 3. August 2017

Kleiner Hoffnungsschimmer fürs Klinikbad

Dauerhafte Schließung noch keine definitiv beschlossene Sache

Birkenfeld. Gibt es noch eine Chance, dass das seit Juli 2016 geschlossene Bewegungsbecken im Krankenhaus der Kreisstadt erhalten bleibt und irgendwann wieder von Schwimmern genutzt werden kann? Völlig aussichtslos sind diese Hoffnungen nicht. Denn Hans-Dieter Herter, neuer geschäftsführender Vorstand der DRK-Elisabeth-Stiftung, betont: „Ich bin der Letzte, der sagen würde, dass der Drops schon gelutscht ist, wenn eine Lösung des Problems mit vereinten Kräften gelingen kann.“

Diese Aussage tätigte der Chef der Stiftung am Dienstag bei einem Gespräch mit Emil Morsch und dem SPD-Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Noss. Das Treffen war auf Initiative Morschs zustande gekommen, der kürzlich zum neuen Behindertenbeauftragten der Verbandsgemeinde gewählt worden war.

„Ich bin schon mehrfach darauf angesprochen worden, dass es vielen Bürgern ein großes Anliegen wäre, wenn das Bewegungsbecken wieder öffnen würde. Das gilt vor allem für Menschen, denen aufgrund eines ärztlichen Rezepts Wassergymnastik verschrieben wurde“, sagt Morsch.

Filteranlage defekt, Dach undicht

Dieses Anliegen wurde dem Behindertenbeauftragten zuvor insbesondere von den Mitgliedern der Rheumaliga deutlich gemacht, die das kleine Hallenbad vor dessen Schließung wegen eines technischen Defekts der Filteranlage mit ihren Gruppen fünfmal die Woche genutzt hatten. Auch der Turnverein hatte das Becken für Übungsstunden zur Aquagymnastik genutzt. Insgesamt hatten zusätzlich zu den Patienten des Krankenhauses und den Rehabilitanden im Berufsförderungswerk (BFW) rund 200 Menschen aus Birkenfeld und Umgebung regelmäßig das Bad der Elisabeth-Stiftung aufgesucht. Im November 2016 war eine Liste mit 849 Unterschriften, die den Erhalt des Bewegungsbecken forderten, an den damaligen Stiftungschef Wolfgang Schneider übergeben worden (die NZ berichtete).

Sein Nachfolger Herter stellte beim Treffen mit Morsch und Noss aber auch klar, dass sich aus kaufmännischer Sicht an der großen Krux nichts geändert hat. Und die besteht nicht hauptsächlich in der Anschaffung einer neuen Filteranlage, die rund 50 000 Euro kosten würde. Auch die notwendige Investition in die Sanierung des undichten Daches, die laut Herter mit etwa 120 000 Euro zu Buche schlagen würde, ist für die Stiftung kein K.o-Kriterium. „Das müssten wir ja so oder so machen. Wir wollen das Gebäude ja nicht verfallen lassen, und es gibt auch schon die Überlegung, es künftig als Sport- und Fitnessraum zu nutzen“, sagt der Vorstandschef.

Wenn diese Option aber nicht zum Zug kommen und stattdessen doch eine Wiedereröffnung des kleinen Hallenbads erfolgen soll, muss laut Herter vor allem die Frage geklärt werden, wie das durch die laufenden Betriebskosten verursachte Minus abgedeckt werden kann. Dieses betrug zuletzt rund 70 000 Euro.

Denn Ausgaben in Höhe von circa 90 000 Euro standen lediglich Einnahmen von etwa 20 000 Euro durch Nutzungsgebühren gegenüber. „Wir müssten also eigentlich pro Besuch fast 10 Euro Eintritt verlangen, um auf diesem Weg die Finanzierungslücke zu schließen“, rechnet Herter hoch. Er erinnert zudem daran, dass das Bad ursprünglich für die Rehabilitanden des BFW gebaut worden war, dieses Angebot zuletzt aber nur noch von zwölf Menschen in dieser Einrichtung genutzt wurde. Ihnen ermöglicht es die Stiftung inzwischen, einmal pro Woche das Bad in der Edelsteinklinik in Bruchweiler zu besuchen.

Für Noss ist klar, „dass die Stiftung das Problem der Betriebskosten nicht allein lösen kann“. Auch Morsch betonte: „Es kann nicht sein, dass die Stiftung der einzige Geldhahn bleibt. Wir müssen für den Erhalt des Bads eine andere Lösung finden.“

Eine Möglichkeit sehen beide darin, das Bewegungsbecken verstärkt für den Schulsport zu nutzen und auf diesem Weg an Fördermittel für Bewegungsbecken zu kommen, die von den Kostenträgern im Gesundheitswesen nicht zu erwarten sind. Diesbezüglich wolle er in Mainz das Gespräch mit den zuständigen Ministerien suchen, sicherte Noss zu.

Wunsch wäre öffentlicher Betreiber

Herter wiederum machte deutlich, dass er eine Lösung für wenig sinnvoll hält, bei der von vielen verschiedenen Seiten Zuschüsse für den Erhalt des Bades geleistet werden, weil über dessen Bereitstellung zum Beispiel im Stadtrat, VG-Rat oder im Kreistag jedes Jahr aufs Neue entschieden werden müsste und insofern unsicher sei, wie lange solche Fördermittel überhaupt fließen würde. Dem Chef der Elisabeth-Stiftung schwebt daher als dauerhafter Masterplan vor, dass sich ein öffentlicher Betreiber für das Bewegungsbecken findet.

Nach Lage der Dinge kämen dafür nur Stadt, Verbandsgemeinde oder Kreis infrage. Allerdings wies Noss auf die damit verbundenen Hindernisse hin. Die Stadt ist nicht nur hoch verschuldet, sondern hat auch nicht die Funktion eines Schulträgers. Sie könnte insofern auch nicht über diesen Kanal Zuschüsse für de laufenden Unterhalt des Bewegungsbeckens in Anspruch nehmen. Bei VG und Kreis sieht das zwar anders aus, aber auch dort seien Hindernisse zu erwarten, sagt Noss. Es sei zum Beispiel fraglich, ob die VG, die mit ihrem Freibad pro Jahr ein Defizit von rund 350 000 Euro erwirtschaftet, gewillt ist, nun auch noch die Verantwortung für das Hallenbad in der Klinik zu übernehmen. Und sollte der Kreis einspringen, wäre abzusehen, dass er sich sogleich auf ähnliche Forderungen, etwa aus Idar-Oberstein, einstellen müsste.

Kurzum: Am guten Willen, das Bewegungsbecken zu reparieren und wiederzueröffnen, mangelt es zwar nicht, „aber uns ist natürlich allen klar, dass das ein schwieriges Unterfangen wird. Wir wollen uns aber nicht vorwerfen lassen, dass wir es nicht wenigstens versucht haben, das Problem zu lösen“, betonte Morsch zum Abschluss des Treffens.