Startseite | Kontakt | Impressum | Sitemap

www.hans-juergen-noss.de

Pressemitteilung, 15.02.2005

Zukunftschance Kinder- Bildung von Anfang an
Pressedienst der Landesregierung

Mainz, 15.02.2005
Staatskanzlei
Fünf Pluspunkte für Chancengleichheit und Förderung

Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an
„In Rheinland-Pfalz wird das letzte Kindergartenjahr beitragsfrei, um alle Kinder besser auf die Schule vorzubereiten. Außerdem können künftig Kinder ab 2 Jahren den Kindergarten besuchen.“ Das sagte Ministerpräsident Kurt Beck, nachdem der Ministerrat das Programm „Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an“ beschlossen hat. „Mit dem neuen und umfassenden Konzept für die Kindertagesstätten wollen wir dazu beitragen, dass Kinder noch besser und früher gefördert, zugleich soziale Benachteiligungen bei den Bildungschancen abgebaut und vor allem junge Familien gezielt unterstützt werden.“ Der Ministerpräsident stellte das Programm gemeinsam mit seinem Stellvertreter, Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage und Bildungs- und Jugendministerin Doris Ahnen vor. Das Programm soll im vorschulischen Bereich und in der Eingangsphase der Grundschule das Bildungs- und Betreuungsangebot erweitern sowie besondere Akzente bei der frühen Förderung von Kindern setzen.
Das Programm trage dem hohen Stellenwert von Bildung sowie Kinder- und Familienfreundlichkeit in der Politik der Landesregierung Rechnung und ergänze folgerichtig die aufeinander abgestimmten Maßnahmen, die in den letzten Jahren in Angriff genommen und umgesetzt wurden, sagten Beck und Bauckhage. Der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, die flächendeckende Einführung der Vollen Halbtagsschule, das Ganztagsschulprogramm der Landesregierung in dieser Legislaturperiode, das Qualitätsmanagement in den Schulen und die Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für die Kindertagesstätten seien zentrale Marksteine auf diesem Weg. „Wir wollen neben den wichtigen und notwendigen bildungspolitischen Initiativen gleichzeitig einen weiteren
Beitrag zur Unterstützung von Familien und hier insbesondere von Frauen in unserem Land leisten“, so der Ministerpräsident.
Dieser doppelte Ansatz solle nun im Bereich der frühen Förderung weiter verstärkt werden. „In einer Zeit, in der der demografische Wandel die Gesellschaft vor große Herausforderungen stellt, wollen wir die Kinderfreundlichkeit unseres Landes durch eine Verbesserung der Rahmenbedingungen noch weiter ausbauen. Das ist das Gebot der Stunde: In Rheinland-Pfalz sollen Kinder mit Freude und bestmöglichen Zukunftschancen heranwachsen und das Land will den demografischen Wandel aktiv und erfolgreich
gestalten.“
Fünf Pluspunkte für Kinder und Familien, für Chancengleichheit und Förderung vereint das Programm „Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an“:

Mehr Plätze für Kinder unter drei Jahren schaffen - das heißt, Kommunen und Träger bei der Umsetzung des Tagesbetreuungsausbaugesetzes (TAG) unterstützen. Angebote zum Kindergartenbesuch ab 2 Jahre eröffnen und den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für zweijährige Kinder ab 2010 für Eltern, die dies wollen, gewährleisten. Beitragsfreiheit für das letzte Kindergartenjahr einführen, damit tatsächlich alle Kinder auf die Einschulung vorbereitet werden. Bildungsauftrag der Kindertagesstätten stärken und umfassenden Ausbau der Sprachförderung für alle vorantreiben. Frühere Einschulung; ab 2008 sollen alle Kinder, die vor dem 1.9. eines Jahres sechs Jahre alt werden, in diesem Jahr auch die Schule besuchen.Bildungs- und Jugendministerin Doris Ahnen unterstrich: „Die Entwicklung von Kindern vollzieht sich nicht in voneinander getrennten Schubladen. Wir wollen daher dafür sorgen, dass der Bildungsprozess im Kindergarten noch individueller gestaltet und noch enger mit demjenigen der Grundschule verzahnt wird. Dazu gehört auch, dass Förderung früher einsetzt und Eltern auf erweiterte Angebote zugreifen können.“

Das neue Programm im Detail
1. Ausbau der Betreuungsangebote für unter Dreijährige
Es gebe einen großen gesellschaftlichen Konsens darüber, einen deutlichen Ausbau der Betreuungsangebote für unter dreijährige Kinder vorzunehmen, unterstrich die Bildungs- und Jugendministerin: „Insbesondere Frauen und Alleinerziehende dürfen nicht mehr länger vor der Alternative Kinder oder Beruf stehen. Die Vereinbarkeit von Familie und beruflicher Tätigkeit zu ermöglichen ist eine öffentliche Aufgabe.“ Das zum 1. Januar 2005 in Kraft getretene Tagesausbaubetreuungsgesetz des Bundes (TAG) verpflichte die Kommunen die Betreuung für unter dreijährige Kinder bis spätestens zum Jahr 2010 bundesweit bedarfsgerecht auszubauen. Für Rheinland-Pfalz erfordere dies ca. 11.500 Plätze zusätzlich zu den aktuell angebotenen ca. 4800 (das entspricht 4,5 Prozent). Für die Kommunen und Träger in Rheinland-Pfalz bedeute diese Ausbauverpflichtung eine große Herausforderung. „Die Landesregierung will und kann die Kommunen und Träger mit dieser Aufgabe nicht alleine lassen, sondern nachhaltig unterstützen“, sagte Ministerpräsident Kurt Beck. Dazu seien vorgesehen:Erhöhung des Landesanteils an den Personalkosten in Kinderkrippen um 10 Prozentpunkte. Dies bedeutet eine spürbare Entlastung der Träger und der kommunalen Jugendämter (um jeweils 5 Prozentpunkte). Öffnung der Kindergartengruppen für zweijährige Kinder. Ein landesweites Programm soll darüber hinaus die Qualifizierung von Tagespflegepersonen unterstützen, um so die institutionelle Betreuung zu ergänzen.

2. Öffnung des Kindergartens für Zweijährige und Rechtsanspruch ab 2010
Die Öffnung des Kindergartens für Zweijährige sei ein wesentlicher Beitrag zur Umsetzung des TAG, weil durch die demografische Entwicklung frei werdende Kapazitäten besser genutzt und Einrichtungen vor Ort gesichert werden können. Sie trage aber auch der Tatsache Rechnung, dass viele Zweijährige dem Kindergarten entwicklungspsychologisch näher stünden als der Krippe. Um ein qualitativ hochwertiges Angebot wohnortnah vorhalten zu können sei deshalb ab
1. August 2006 vorgesehen:Öffnung der Kindergartengruppen über die bestehenden Möglichkeiten hinaus für bis zu sechs Zweijährige. Erhöhung des Personalschlüssels um eine viertel Stelle bei drei oder vier zweijährigen Kindern und um eine halbe Stelle bei fünf oder sechs Zweijährigen. Übernahme der durch das Zusatzpersonal entstehenden Kosten für die Träger durch das Land. Verankerung eines Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz für alle Zweijährigen ab dem Jahr 2010. Während das TAG Bedarfskriterien (insbesondere Erwerbstätigkeit der Eltern) definiert, soll im rheinland-pfälzischen Modell allen Eltern, die es wünschen, diese Möglichkeit eröffnet werden.

3. Letztes Kindergartenjahr für alle - Beitragsfreiheit für Eltern
Kindertagesstätten sind nicht nur ein idealer Ort, um die Neugier und den Wissensdurst von Kindern, also ihr natürliches Bildungsbedürfnis, zu befriedigen, zu fördern und zu fordern. Gerade im Kindergarten gibt es auch die Chance, durch gezielte individuelle Förderung sozial bedingte Benachteiligungen auszugleichen. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, die notwendige Vorbereitung auf die Schule, die gezielte Förderung des Kindes in allen Bereichen, besonders aber der sprachlichen Kompetenz, im Kindergarten zu verankern und nicht die Schulpflicht auf 5 Jahre vorzuverlegen. Wir wollen die pädagogischen Möglichkeiten der Kindergartenzeit nutzen, kindgerechte Antworten geben und zugleich dafür sorgen, dass das letzte Jahr zum Regelbesuchsjahr aller Kinder wird“, unterstrich Doris Ahnen.
Bestandteil des neuen Landesprogramms seien daher:Alle Fünfjährigen sollen vor der Schule eine Kindertagesstätte besuchen und so ein systematisches Bildungsangebot und eine optimale Vorbereitung auf die Schule erhalten.Deshalb soll für Eltern in Rheinland-Pfalz das letzte Kindergartenjahr vor der Einschulung ab 1. Januar 2006 beitragsfrei gestaltet werden. Das Land übernimmt die entsprechenden Elternbeiträge in Höhe von ca. 25 Millionen Euro und entlastet so Familien um durchschnittlich 600 Euro pro Kind. Alle Kinder nehmen bei Bedarf an einer gezielten Sprachförderung teil.

4. Stärkung des Bildungsauftrages der Tageseinrichtungen für Kinder
Landesweites Fortbildungsprogramm für Erzieherinnen und Erzieher
Der Bildungsauftrag der Kindertagesstätten habe mit den seit 2004 landesweit gültigen Bildungs- und Erziehungsempfehlungen sowie mit der Reform der Ausbildungswege für Erzieherinnen und Erzieher bereits neue Impulse erhalten, stellte Doris Ahnen fest. Dieser Stärkung des Bildungsauftrages werde nun auch durch eine deutliche Ausweitung der Fortbildungsangebote für Erzieherinnen und Erzieher Rechnung getragen. Hierzu stellt das Land 2 Millionen Euro jährlich zur Verfügung.
Bestandteil dieser pädagogischen Aufwertung seien:Fortbildungsprogramm in Zusammenarbeit mit den Trägern, um die Kompetenzen der Erzieherinnen und Erzieher gezielt und möglichst umfassend zu verstärken. Die Fortbildungen sollen in Modulen besonders wichtige Themen aufgreifen, z.B. Beobachtung und Dokumentation, Elternarbeit, Sprachförderung und Vorbereitung auf die Schule und mit einem speziellen Zertifikat abschließen. Aufbau von so genannten „Konsultationskitas“; im Sinne von „best practice“ sollen Kindertageseinrichtungen mit vorbildlichen Programmen für praxisnahe Fortbildungen besucht werden können. Qualifizierungsangebote für Tagespflegepersonen; mit dem Programm soll auch ein Beitrag geleistet werden, Tagesmütter bzw. –väter besser auf ihre Aufgaben vorzubereiten.

Neues Acht-Millionen-Euro-Programm für Sprachförderung und Schulvorbereitung
In den Bildungsvergleichsstudien (PISA, IGLU, VERA) der jüngeren Vergangenheit sei ganz eindeutig die Sprachkompetenz von Kindern als Schlüssel für Bildungschancen und schulischen Erfolg identifiziert worden. Daher habe die Landesregierung bereits im Jahr 2002 ein zusätzliches Programm zur Sprachförderung vor allem von Kindern mit Migrationshintergrund in den Kindertagesstätten gestartet. Dieses Programm solle nun deutlich ausgeweitet und inhaltlich weiterentwickelt werden. „Ziel ist: Jedes Kind mit Sprachdefiziten erhält vor dem Schuleintritt eine spezielle Förderung“, unterstrich Doris Ahnen. Für das neue Programm zur Sprachförderung und Schulvorbereitung werde das Land acht Millionen Euro bereitstellen. Um auch wirklich jeden Förderbedarf zu erfassen, werde die mit Hilfe von standardisierten Beobachtungsbögen in den Kindertagesstätten durchgeführte Sprachbeobachtung verstärkt und durch eine Überprüfung des Sprachstandes für alle Kinder zu Beginn des letzten Kindergartenjahres ergänzt.Für Kinder, die regelmäßig den Kindergarten besuchen, wird auf der Grundlage von Sprachstandsbeobachtungen möglichst frühzeitig eine gezielte Förderung eingeleitet. Spätestens im letzten Jahr vor der Einschulung werden bei Bedarf gezielt zusätzliche Sprachkurse in den Kindertagesstätten angeboten. Für Kinder mit Sprachdefiziten, die keinen Kindergarten besuchen, sind entsprechende Sprachfördermaßnahmen vorgesehen, sofern eine verbindliche Überprüfung Probleme bei der schulischen Entwicklung erwarten lässt. Das Programm ermöglicht den Kindergärten darüber hinaus, verstärkt gezielte Angebote für alle Kinder zu machen, die vor der Einschulung stehen.
5. Verbesserung des Übergangs Kindergarten/Schule und frühere Einschulung
Mit den organisatorischen Veränderungen des letzten Kindergartenjahres, der Beitragsfreistellung der Eltern und der daraus folgenden Umwandlung in ein „Regelbesuchsjahr“, gingen inhaltliche Veränderungen Hand in Hand, sagte die Ministerin.Neben einer intensivierten Sprachförderung solle in diesem Jahr auch die gezielte Schulvorbereitung sowohl im kognitiven Bereich als auch auf dem Feld des sozialen Verhaltens verstärkt werden. Die Kooperation zwischen Kindertagesstätten und Grundschulen werde ausgebaut. Durch eine entsprechende gesetzliche Verankerung im Kindertagesstättengesetz und im Schulgesetz solle die gegenseitige Abstimmung der jeweiligen Bildungsprogramme im Kindergarten und Grundschulbereich verbindlich werden. Um einen möglichst guten Übergang und einen früheren Schuleintritt zu erreichen, werde der Stichtag für die Einschulungspflicht maßvoll verändert. Künftig sollten alle Kinder, die vor dem 1.9. eines Jahres sechs Jahre alt werden, in diesem Jahr auch die Schule besuchen. Damit seien zwei Geburtsmonate eines Jahrgangs früher schulpflichtig als bisher. Diese Änderung solle ab dem Schuljahr 2008/2009 greifen.Mit diesem Programm setze die Landesregierung einen weiteren und besonders gewichtigen Schwerpunkt für die Sicherung der Zukunft des Landes, betonten alle Beteiligten.
Bei Umsetzung des Konzepts würden - so Finanzstaatssekretär Ingolf Deubel - in Rheinland-Pfalz im Jahr 2010 insgesamt rd. 900 Mio. Euro für den Betrieb von Kindertagesstätten verausgabt. Gegenüber einer reinen Umsetzung des TAG ergäben sich dabei Mehrkosten von insgesamt rd. 19 Mio. Euro. Aufgrund der Freistellung der Eltern von den Gebühren im letzten Kindergartenjahr, der Absenkung der Kostenanteile der Träger und der Jugendämter und der Finanzierung der Sprachförderung sowie der Zusatzqualifizierung durch das Land würden die Eltern, die Träger und die Jugendämter um insgesamt rd. 37 Mio. Euro entlastet. Dem Land entstünden dagegen Mehrkosten von rd. 56 Mio. Euro, davon rd. 3 Mio. Euro im kommunalen Finanzausgleich und rund 53 Mio. Euro in Anwendung des Konnexitätsprinzips unmittelbar im Landeshaushalt.
„Wir legen ein Gesamtkonzept vor, das die bisherigen Landesinitiativen ergänzt, Schritt für Schritt aufeinander aufbaut, Kinder optimal fördert, Eltern in ihrer Erziehungsverantwortung unterstützt und Kommunen und Träger in die Lage versetzt, ihren Beitrag zu einem kinderfreundlichen Rheinland-Pfalz leisten zu können. Das Land stellt hierfür erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung und beachtet strikt die Konnexität. Wir haben uns klar entschieden: Bildung genießt auch in haushaltspolitisch schwierigen Zeiten höchste Priorität und Bildung ist bei uns immer verknüpft mit Kinder- und Familienfreundlichkeit“, so Ministerpräsident Beck. Dabei sei auch die Bedeutung entsprechender Initiativen für den Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz nicht zu unterschätzen. Es habe sich längst herumgesprochen, dass ein gut ausgebautes Bildungs- und Betreuungsangebot ein harter Standortfaktor sei, so Wirtschaftsminister Bauckhage ergänzend.