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Nahe Zeitung, 17.10.2005

Adipositas ist krankhaft

Infoabend in der Bruchweilerer Fachklinik "Am Hochwald" klärte über Übergewicht und Ernährung auf

Übergewicht ist ein Problem. Adipositas ist die krankhafte Steigerung des Übels. Die Folgen (Bluthochdruck etwa oder Arthrose) werden sich im Lauf der Jahre zeigen - auch die finanziellen für Staat und Krankenkassen. Das macht die Politik hellhörig. Die Landtagsabgeordneten Hans Jürgen Noss und Peter Wilhelm Dröscher luden zu einem Informationsabend in die Fachklinik "Am Hochwald".

BRUCHWEILER. Auf dem Tisch liegen eine Banane und eine Birne, dahinter leuchtet ein gelbes Warnschild: Vorsicht! Vorsicht bei Übergewicht vor Obst? "Man darf alles essen, aber in der richtigen Menge", sagte die Diätassistentin der Fachklinik "Am Hochwald" Nelli Schmidt, die über gesunde Ernährung sprach. Nicht jeder Müsli-Riegel sei zu empfehlen, in "Fruchtzwergen" sei "nicht gerade viel Frucht drin" - auf fünf Gramm Fett komme ein Fünftel Erdbeere.

Elf Prozent haben Adipositas

Etwa 110 Kinder und Jugendliche werden in der Klinik betreut. 90 Prozent von ihnen leiden an Adipositas. Die Landtagsabgeordneten Hans Jürgen Noss und Peter Wilhelm Dröscher (Moderator des regionalen Adipostas-Netzwerks Kirn, Bad Sobernheim, Meisenheim) sehen einen wachsenden Informationsbedarf und veranstalteten daher den Abend.

Die ärztliche Leiterin der Fachklinik, Dr. Heidi Siefken-Kaletka, warnte in ihrem Vortrag vor einer "deutlich zunehmenden Zahl übergewichtiger Kinder". Drei Prozent der Kinder litten in den 50er Jahren daran, heute seien es 20 Prozent - davon haben elf Prozent krankhafte Adipositas. In Bruchweiler werden die Kinder sechs Wochen behandelt. Manchmal erkennen die Eltern ihre Sprösslinge hinterher kaum wieder.

Dröscher kam gerade von einer Sitzung des regionalen Adipostas-Netzwerkes in Oberhausen bei Kirn, das eine Bestandsaufnahme nach den ersten 15 Monaten des Bestehens gemacht hat. Einige Projekte, wie das Bewegungsprojekt Schule 2000 und die Zusammenarbeit mit Ganztagsschulen und Kindergärten seien so gut angekommen, dass manche Veranstalter sie nun selbst organisierten.

Das Netzwerk muss mit einem Budget von 10 000 Euro auskommen. "Die Krankenkassen tun sich schwer, ihre Kassen sind leer", sagte Dr. Siefken-Kaletka.

Die Arbeit in Kindergärten und Grundschulen mag helfen, doch wenn die Kinder auf weiterführende Schulen gehen, "verliert sich vieles", so ein Zuhörer. Wenn die Verköstigung in einer Schule vorbildlich sei, aber in der Pause Cola und Backwaren vor der Schule lockten, sei "man machtlos", schimpfte ein Ernährungswissenschaftler, der Schulen in Konz versorgt.

Auch nach Klinik-Aufenthalten wird der Prozess nicht selten gestoppt, sagte Dröscher: "Ohne vernünftige Reha entsteht ein Drehtür-Effekt." Das größte Problem sei, in Familien das Bewusstsein für gesunde Ernährung und Bewegung zu wecken. Ungesunde Appetitanreger aus der TV-Werbung und der Drang zu Fast Food - es gibt viele Hindernisse zu überwinden. (da)