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Nahe Zeitung, 14.04.2005

Bald können Kinder schon mit zwei Jahren in den Kindergarten

Zahlreiche Zuhörer informierten sich über mögliche Veränderungen in der Vorschul-Erziehung - Gibt"s künftig Sprachtests vor der Einschulung?

IDAR-OBERSTEIN. Unter dem Motto "Zukunftschance Kinder-Bildung von Anfang an" fand eine Informationsveranstaltung unter der Leitung von MdL Hans-Jürgen Noss im Gemeindehaus Flachsspreite statt. Das Programm "Kinderbildung von Anfang an" wurde vom Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend, Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, vorgestellt und umfasst im Wesentlichen fünf Punkte, die vor allem dem Ausbau von Chancengleichheit und früher Förderung dienen sollen.
Dafür soll zunächst durch das zum ersten Januar 2005 in Kraft getretene Tagesbetreuungsausbaugesetz (TAG) das Betreuungsangebot für unter Dreijährige ausgebaut und der Personalschlüssel verbessert werden. Dabei ist eine Zielversorgungsquote von 17 Prozent eines Jahrgangs vorgesehen, was eine Schaffung von landesweit 11 500 neuen Krippenplätzen voraussetzt.
Des Weiteren sollen Eltern die Möglichkeit haben, ihre Kinder schon im Alter von zwei Jahren in den Kindergarten zu bringen. Ab 2010 soll dann ein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz geltend gemacht werden können. Eine Verkleinerung der Gruppenstärke ist jedoch nicht geplant.
Ab dem 1. Januar 2006 ist das letzte Kindergartenjahr vor der Einschulung in Rheinland-Pfalz für die Eltern beitragsfrei. Die dadurch entstehenden Kosten (zirka 25 Millionen Euro) werden vom Land übernommen. Dadurch soll erreicht werden, dass möglichst alle Kinder spätestens im letzten Jahr vor der Einschulung den Kindergarten besuchen und so möglichst viele für den Übergang in die Grundschule vorbereitet werden. Weitere Neuerung: Im September des Jahres vor der Einschulung ist für alle Kinder ein verbindlicher Sprachtest vorgesehen. Wird dieser nicht bestanden, ist vor dem ersten Schulbesuch ein Sprachförderprogramm Pflicht. Dieses Projekt wird mit acht Millionen Euro vom Land gefördert. Um eine optimale Schulvorbereitung zu erreichen, soll die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Kindergärten verbessert und im Gesetz verankert werden.
Ab 2008 können zudem alle Kinder, die vor dem 1. September (bisher 1. Juli) sechs Jahre alt werden, im gleichen Jahr in die Schule kommen. Eine generelle Einschulung schon mit fünf Jahren wird es aber nicht geben, erklärt Hofmann-Göttig.
Ferner wird die Ausbildung der Erzieherin zweistufig verlaufen: Zunächst erfolgt die abgeschlossene Ausbildung zum Sozialassistenten, danach eine dreijährige Ausbildung zum Erzieher. Die Ausbildungszeit wird damit um ein Jahr verlängert, das Vorpraktikum fällt weg. Für Erzieherinnen und Erzieher wird es einen Ausbau in der Fort- und Weiterbildung geben, die mit einer Zertifizierung abgeschlossen werden. In diesem Zusammenhang soll auch die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Kindergärten durch die Einrichtung von Konsultationskindergärten gefördert werden.
Kritik an diesem Programm gab es bei den zahlreichen Zuschauern vor allem bezüglich der Integration der Zweijährigen. Eine Zuschauerin befürchtete, dass dadurch der Bildungsauftrag verloren gehe, da die Altersspanne in den Gruppen zu groß werde. Weiterhin befürchteten einige, dass für viele angehende Erzieherinnen und Erzieher nach dem Abschluss zum Sozialassistenten der Anreiz zur Fortsetzung der Ausbildung verloren gehe.