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Nahe-Zeitung, 09.02.2005

Rigoroses Vorgehen schwächt die Region

Noß wehrt sich gegen "Salami-Taktik" bei der Schließung von Post-Filialen

Zum 1. August soll die Postfiliale in Sien geschlossen werden, auch die in Hettenrodt sieht ihrem Ende entgegen. MdL und SPD-Kreisvorsitzender Hans-Jürgen Noß hat sich an die Deutsche Post AG gewandt und an diesem Vorgehen scharfe Kritik geübt.

SIEN/HETTENRODT. Die geplanten Schließungen der Postfilialen in Sien und Hettenrodt haben für viel Unmut gesorgt. Klaus Beck, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Herrstein, hat bereits bei der Deutschen Post AG Einspruch gegen die Absichten des Unternehmens eingelegt. Nun bezieht auch Landtagsmitglied und SPD-Kreisvorsitzender Hans-Jürgen Noß Stellung und übt heftige Kritik an den Schließungsabsichten der Post.
Die Deutsche Post AG beabsichtigt bis Ende 2005, die Anzahl ihrer Filialen von 13 000 auf 12 000 zurückzufahren. Betroffen sind davon vor allem Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern - dazu gehören auch Sien und Hettenrodt. Noß wirft der Post bei ihren wegen betriebswirtschaftlichen Zwängen begonnenen "Schließungsorgien" vor, neben den Kunden auch die Filialpartner zu vergessen: "Dass gegebenfalls Ihre Filialpartner ebenfalls betriebswirtschaftlichen Zwängen unterliegen, wird von Ihnen bei Betrachtung der Situation nicht berücksichtigt und spielt offensichtlich keine Rolle", so der SPD-Politiker in seinem Schreiben. Die Filialpartner in Sien und Hettenrodt - eine Tankstelle und ein Lebensmittelgeschäft - "haben teils beträchtliche Investitionen durchgeführt beziehungsweise ihre Geschäftsorientierung so organisiert, dass die Postgeschäfte ein fester Bestandteil sind".
Zwar verfügten die beiden Gemeinden jeweils nicht über 2000 Einwohner, aber "über ein entsprechendes Einzugsgebiet". So liegt die Siener Filiale an der viel befahrenen B 270. "Die Öffnungszeiten betragen wöchentlich etwa 80 Stunden, und Parkplätze für Kunden sind genügend vorhanden", führt Noß aus. Das große Angebot der Tankstelle - Backshop, Getränkeshop und Lotto-Annahmestelle - haben dazu geführt, dass sie zwischenzeitlich über ein Einzugsgebiet von annähernd 50 Kilometern verfügt, gibt der Landtagsabgeordnete zu bedenken.
Würde die Filiale wegfallen, müsste der Postkunde Wege von mehr als zehn Kilometern bis zur nächsten Filiale in Kauf nehmen. "Hinzu kommt, dass der von Ihnen als Alternative angegebene mobile Postservice nicht im Entferntesten dazu geeignet ist, stationäre Einrichtungen der Post zu ersetzen", beklagt Noß .
Die Deutsche Post AG grabe sich "sukzessive" selbst ihre unternehmerischen Spielräume ab - und Noß nimmt das Unternehmen in die Verantwortung: "Das Ganze muss auch unter dem Aspekt gesehen und gewertet werden, dass die Deutsche Post AG im ersten Halbjahr 2004 mehr als 700 Millionen Euro Gewinn gemacht hat. Dass dieser Gewinn aber zum großen Teil auf dem Buckel der Menschen in den ländlichen Räumen gemacht wird, stört dabei niemanden." Die Post schwäche demographische "Absteigerregionen" wie den Kreis Birkenfeld durch ihr "rigoroses Vorgehen" aber weiter. "Sie ziehen Ihr Sanierungs- und Rationalisierungskonzept knallhart durch und irgnorieren sämtliche aufgezeigten Gründe."
Noß beklagt zudem, dass die Post zwar mittlerweile "die Kommunalpolitik im Vorfeld der beabsichtigeten Schließungen informiert, aber alle Eingaben, die von mir, sonstigen Abgeordneten oder Kommunalpolitiker gemacht wurden, waren in der Regel vergebens."