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Nahe Zeitung, 06.12.2005

In der Gründungskneipe gefeiert

Die Jusos des Kreises Birkenfeld erinnerten an die Gründung des sozialdemokratischen Arbeiterjugendvereins vor 85 Jahren

An die Gründung der sozialdemokratischen Jugendorganisation im Kreis vor 85 Jahren erinnerten die Kreis-Jusos. Die kleine Feier fand an der gleichen Stelle statt, wo sich einst auch die Regionalgruppe der Sozialistischen Arbeiterjugend konstituiert hatte: in der Obersteiner Gaststätte "Zur Krone".

IDAR-OBERSTEIN. 1920 war für die deutschen Sozialdemokraten eine wichtige Etappe zum Neuaufbau ihrer durch den Weltkrieg aufgelösten Jugendorganisationen. Wie in vielen anderen Städten machten sich auch in der Nahe-Region junge Menschen daran, Gruppen aufzubauen, die ihren eigenen Bedürfnissen besser entsprachen als die "einseitig verstandesmäßig und materialistisch" ausgerichtete allgemeine Arbeiterbewegung, wie es in einem Aufruf junger Sozialdemokraten vom 1. Januar 1920 heißt.

In Kirn war bereits für den 13. März 1920 eine solche Gründungsversammlung anberaumt, zu der es dann aber wegen des Kapp-Putsches nicht kam. Dies wurde dann im Oktober zunächst in Kirn nachgeholt, und am 12. Oktober kam es dann im Gasthaus Alfred Heine am Obersteiner Marktplatz, der heutigen "Krone", zur Gründungsversammlung, bei der auf Anhieb rund 80 Mitglieder gewonnen werden konnten.

An gleicher Stelle versammelten sich die Nachfolger der damaligen Arbeiterjugend, die Jungsozialisten im Kreis Birkenfeld, 85 Jahre später. Als Gäste konnte der Juso-Kreisvorsitzende Holger Noß unter anderen den Bundestagsabgeordneten Fritz Rudolf Körper, den Landtagsabgeordneten Hans Jürgen Noss, Landrat Axel Redmer, den Bürgermeister der VG Birkenfeld, Manfred Dreier, sowie Mitglieder des Stadtrates begrüßen, ebenso wie Vertreter der Jungsozialisten des Kreises Kusel und vom AWO-Jugendwerk.

Redmer ging in seinem Grußwort auf die breit gefächerte sozialdemokratische Tradition in Oberstein ein und viele, zum Teil nicht mehr bestehende Versammlungsorte, an denen sozialdemokratische Stadt- und Regionalgeschichte geschrieben wurde, wie etwa der Felsenkeller, die Gaststätte Tannhäuser, der Götzplatz oder der Schreibwarenladen von Jakob Kirschmann, dem Vater von Emil Kirschmann oder das heutige Musikhaus Mathias, wo die Redaktion der sozialdemokratischen Tageszeitung "Der Nahetalbote" ihren Sitz hatte. Die sozialdemokratische Bewegung und ihre Organisationen und Unternehmen seien vor der Machtübernahme der Nazis noch zu einer "totalen Versorgung" in der Lage gewesen, die von Kultur- und Sportvereinen und -veranstaltungen bis hin zu sozialen Absicherungssystemen reichte.

Auch der Juso-Kreisvorsitzende Holger Noß ging in einem Referat über die Anfänge der Jungsozialisten im Kreis in die Historie zurück, wobei die "schwierige Quellenlage" notwendigerweise manchen Abschnitt im Dunkeln belasse. Noß erläuterte, dass nur ein kleiner Teil der Veranstaltungen der Sozialistischen Arbeiterjugend explizit politischen Charakter hatte. So habe es von naturkundlichen Wanderungen über kulturelle Vorträge bis hin zu Tanzveranstaltungen ein breites Spektrum an Aktivitäten und Angeboten gegeben.

MdB Körper unterstrich, dass die modernen sozialen Standards erst durch "Einsatz, Engagement und Kampf" erreicht wurden, und diese auch weiterhin erforderlich seien, um Errungenschaften wie Tarifautonomie oder Kündigungsschutz zu erhalten.

Der Landtagsabgeordnete Noss lobte die Jugendorganisation des Kreises Birkenfeld als "eine Generation von Jusos, um die man uns in ganz Deutschland beneidet". Inzwischen, so Noss, könnten die Jusos im Kreis eine ganze Reihe von Mandatsträgern vorweisen. (jst)

In der Gaststätte "Zur Krone" erinnerten die Kreisjusos an die Gründung ihrer Vorgängerorganisation vor 85 Jahren. Auch VG-Bürgermeister Manfred Dreier und Landrat Axel Redmer (hinten, 2. und 3. von links) feierten mit. Foto: Hosser