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Nahe Zeitung vom Dienstag, 7. Januar 2014

Noch stehen genügend Notärzte bereit
Versorgung Einsatz des Rettungshubschraubers ein alltäglicher Vorgang – Landtagsabgeordneter Noss prognostiziert Probleme
Von unserem RedakteurAndreas Nitsch

M Kreis Birkenfeld. Noch ist die Versorgung mit Notärzten im Landkreis Birkenfeld gesichert. „Bislang haben wir in diesem Punkt keine Probleme“, sagte Landrat Matthias Schneider, nachdem Hans Jürgen Noss (SPD) im Kreistag nach dem derzeitigen Sachstand gefragt hatte. Hintergrund: Zu einem Notfall in der Verbandsgemeinde Herrstein war ein Notarzt per Hubschrauber eingeflogen worden.
„Ein aktueller Fall in unserem Landkreis, in dem es zu Problemen bei der Notarztversorgung kam, ist nicht bekannt“, stellt die Kreisverwaltung fest. Gleichwohl müsse man Missverständnissen vorbeugen, wobei eine Begriffsabgrenzung hilfreich sei.
So ist ein Notarzt laut Rettungsdienstgesetz (RettDG) ein Arzt mit der Zusatzqualifikation Notfallmedizin, der aufgrund eines entsprechenden Hilfeersuchens über den Notruf 112 von der Leitstelle informiert und mit einem Noteinsatzfahrzeug (NEF) zur Einsatzstelle gebracht wird. Hiervon abzugrenzen ist der ärztliche Bereitschaftsdienst, der die hausärztliche Versorgung außerhalb der normalen Praxisöffnungszeiten sicherstellt, also keine akuten, lebensbedrohlichen Notfälle behandelt. Darüber hinaus gibt es im Brand- und Katastrophengesetz (LBKG) den Begriff des Leitenden Notarztes. Er ist eine Art ärztlicher Einsatzleiter bei größeren Unfällen und nicht primär für die Behandlung der Betroffenen zuständig. Vielmehr leitet und koordiniert er den Einsatz der medizinischen Rettungskräfte. Das ist vergleichbar etwa mit dem Wehrleiter oder dem Kreisfeuerwehrinspekteur bei Feuerwehreinsätzen.
In der Regel kommt der Notarzt immer in Verbindung mit einem Rettungswagen (RTW) des Rettungsdienstes zum Einsatz. Man spricht hier vom Rendezvous-System. Die Entscheidung, ob ein Notarzt benötigt wird oder ob der mit einem Rettungsassistenten besetzte Rettungswagen alleine ausreichend ist, trifft die Integrierte Leitstelle in Bad Kreuznach anhand eines landeseinheitlichen Notarzteinsatz-Indikationskataloges.
Alarmiert wird grundsätzlich immer das nächste verfügbare Rettungsmittel. Wenn also ein Notarzt bereits im Einsatz ist und ein weiteres Hilfeersuchen bei der Leitstelle eingeht, ist es gut möglich – wie bei dem Fall in der VG Herrstein –, dass auch ein Notarzt per Rettungshubschrauber zum Einsatzort geflogen wird. Dies sei gängige Praxis und keine Besonderheit, hieß es seitens der Kreisverwaltung – zumal der Rettungshubschrauber in erster Linie der Beförderung des Notarztes diene und die oft praktizierte Patientenbeförderung nur eine Sekundäraufgabe darstelle. Philipp Köhler, Pressesprecher beim Rettungsdienst Rheinhessen-Nahe, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Einsatz eines Hubschraubers nichts über die Schwere der Verletzung einer Person aussagt. „In der Leitstelle wird bei Notfällen ein Knopf gedrückt, und dann wird der Notarzt benachrichtigt, der am schnellstens am Unfallort sein kann – egal ob per Rettungswagen oder Hubschrauber“, erklärt Köhler.
Im Kreis Birkenfeld sind Notarztstandorte in Birkenfeld und Idar-Oberstein eingerichtet. Aufgrund weiterer Standorte im Grenzbereich zu umliegenden Landkreisen (Morbach, Hermeskeil, Kusel, Kirn) sowie in den nächstgelegenen Rettungshubschrauberstandorten (Wittlich, Luxemburg, Saarbrücken) sind ausreichend Kapazitäten vorhanden.
Laut RettDG müssen die Notärzte von den Krankenhäusern zur Verfügung gestellt werden. Besteht darüber hinaus Bedarf, können auch andere Ärzte mitwirken. Zwar konnten sich die Krankenhäuser und Krankenkassen hinsichtlich der Kostenübernahme bislang nicht einigen, Auswirkungen auf die Tragfähigkeit des Notarztsystems hat dies jedoch nicht.
Für den Landtagsabgeordneten Noss ist dies alles jedoch kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Er glaubt, „dass wir langfristig gesehen, auf diesem Sektor Probleme bekommen werden“. In den großen Städten wie Mainz mit seiner Universitätsklinik, Ludwigshafen oder Kaiserslautern sei die Situation wegen der kürzeren Wege entspannter. „Aber auf den ländlichen Raum wie den Kreis Birkenfeld kommen da Schwierigkeiten zu – allein schon wegen des steigenden Ärztemangels.“ Noss will das Thema bei der Landesregierung zur Sprache bringen.