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Nahe Zeitung vom Montag, 2. September 2013

SPD feierte 120-jähriges Bestehen mit Sommerfest
Prominente Gäste stimmten auf den Bundestagswahlkampf ein
Von unseren Reporter Jörg Staiber


M Idar-Oberstein. Der Stadtverband der SPD hatte etwas zu feiern: 120 Jahre für Fortschritt und Gerechtigkeit, wie es im Titel eines zu diesem Anlass vorgestellten Buches heißt, in dem neben der Geschichte der Gesamtpartei ausführlich die der Idar-Obersteiner SPD dargestellt wird.
So stand im Mittelpunkt des Sommerfestes, das im Staden gefeiert wurde, ein Vortrag des Autoren, dem früheren Landtagsabgeordneten und Ex-Landrat Axel Redmer. Über Mangel an prominenten Gästen konnte sich SPD-Stadtverbandsvorsitzende Jupp Mähringer nicht beschweren, war doch neben dem Bundestagsabgeordneten und -kandidaten Fritz Rudolf Körper und dem Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Noss auch der Fraktionsvorsitzende im Landtag und frühere Wirtschaftsminister Hendrik Hering erschienen. Aber lag es nun am eher trüben Wetter oder dem Überangebot anderer Veranstaltungen an diesem Wochenende? Nur rund 60 Parteimitglieder und -sympathisanten hatten den Weg zu dem herrlichen Flecken am Idarbach und Tiefensteiner Sportplatz gefunden, um sich bei Kaffee und Kuchen, Bier und Gegrilltem zu vergnügen.
In seinem spannenden mit zahlreichen historischen Fotos illustriertem Vortrag berichtete Redmer über wichtige Stationen vor und nach der parteigeschichtlich gesehen relativ späten Gründung der hiesigen organisierten Sozialdemokratie, die weit mehr als eine Partei war, sondern mit Konsum- und Baugenossenschaften, Bildungs- und Gesangsvereinen, Kranken- und Sterbekassen praktisch alle Lebensfelder der Arbeiter abdeckte. Als einzige Partei, so unterstrich Redmer, überstand die SPD die Naziherrschaft moralisch unbeschadet, wurde aber nach dem Krieg erst mit dem Godesberger Programm im Jahr 1959 zur echten Volkspartei. Das wirkte sich auch auf die Wahlergebnisse in der Stadt aus, wo die SPD von den 60er- bis in die 80er-Jahre absolute Mehrheiten holte. Doch Redmer hielt auch nicht mit Kritik an der aktuellen Situation zurück. Der rapide Mitgliederschwund der vergangenen Jahrzehnte sei keineswegs allein auf den demografischen Wandel zurückzuführen, betonte er, und rief dazu auf, dass sich die SPD auch in Bereichen außerhalb der unmittelbaren Lokalpolitik, etwa im kulturellen Leben, wieder stärker positionieren solle.
Die nachdenklichen Worte Redmers fanden nicht nur in der mageren Beteiligung an den Fest ihre Bestätigung, sondern auch in der eher flauen Stimmung. Immerhin beginnt gerade die heiße Phase des Bundestagswahlkampfs und von kämpferischer Stimmung war trotz der prominenten Gäste nur wenig zu spüren. „Wahlkämpfe sind schwieriger geworden“, befand dann auch der Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Noss und erinnerte daran, dass es auch schon Wahlen gegeben habe, bei denen „wir eine vier vorne hatten“, während man derzeit schon mit einer drei zufrieden wäre.
Davon wollte Bundestagskandidat Körper naturgemäß nichts wissen. Es sei inklusive Landtagswahlen inzwischen seine neunte Wahlkampagne, erklärte er, und er habe das Gefühl, dass Engagement und Motivation an der Nahe dieses Mal deutlich besser seien als 2009. Er bekräftigte seine Zuversicht, dass er sein Direktmandat zurückerobern werde. Bei zahlreichen Besuchen von Tür zu Tür habe er festgestellt, dass viele potenzielle Wähler noch unentschlossen seien, und die gelte es nun durch einen verstärkten Einsatz zu überzeugen.
Auch Hering rief dazu auf, jetzt alle Anstrengungen zu bündeln. „Mit Umfragen wird Politik gemacht“, warnte er davor, sich von Wahlprognosen entmutigen zu lassen. Große Hoffnung setze er auf das Fernsehduell zwischen Merkel und Steinbrück, dann könnten die Menschen endlich direkt und im Zusammenhang die Aussagen des SPD-Kanzlerkandidaten verfolgen und sie nicht immer nur aus dem Zusammenhang gerissen hören. Mit dem Kampf um Mindestlohn und gegen befristete Arbeitsverhältnisse setze seine Partei auf die richtigen Themen, so Hering.