Startseite | Kontakt | Impressum | Sitemap

www.hans-juergen-noss.de

Nahe Zeitung, 21.01.2009

Keine Gesamtschule im Westrich?

Ministerium hält eine IGS in Baumholder wegen zu geringer Schülerzahlen für nicht machbar - Fachoberschule als Alternative

Wie wirkt sich der neue Schulentwicklungsplan aus, der bis ins Schuljahr 2021/22 reicht? Darum ging es am Montagabend in Baumholder bei der ersten von vier öffentlichen Präsentationen.

BAUMHOLDER. Eine Integrierte Gesamtschule (IGS) in Baumholder ist nach Meinung des Bildungsministeriums in Mainz aufgrund der zukünftigen Schülerzahlen nicht machbar: Das berichtete der SPD-Landtagsabgeordnete Hans Jürgen Noss am Montagabend bei der öffentlichen Präsentation des neuen Schulentwicklungsplans in der Brühlhalle in Baumholder. Als Alternative zur IGS favorisiert Peter Lang, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Baumholder, einen auf die neue "Realschule plus" aufgesetzten Fachoberschul-Zweig (FOS).

Dennoch will der Kreis in Mainz weiter eine IGS für Baumholder fordern, um so "als Auffanglinie" zumindest die zum Fachabitur führende FOS zu bekommen, erläuterte Landrat Axel Redmer die Strategie. Damit könnte sich neben Lang auch sein Vorgänger Volkmar Pees anfreunden. Selbst Werner Klenner, Leiter des Gymnasiums Birkenfeld, signalisierte Zustimmung zu einer Fachoberschule in der Westrichstadt. Das sei eine "sinnvolle Ergänzung" des Angebots in der Bildungsregion Birkenfeld/ Baumholder.

Eine Integrierte Gesamtschule in Baumholder hingegen stößt in Birkenfeld auf Widerstand (die NZ berichtete). Sehr fraglich ist zudem, ob die für eine IGS vom Land geforderte Vierzügigkeit "auf Dauer zu halten ist", wie der Landrat anmerkte. Als unsachlich wies er die Kritik des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Birkenfeld, Dr. Bernhard Alscher, zurück, der eine geplante Schwächung des Schulstandorts Birkenfeld unterstellt habe. Oberstes Ziel ist es vielmehr laut Redmer, in allen Bereichen des Kreises ein möglichst hochwertiges und zukunftsfähiges Angebot vorzuhalten: "Wir dürfen keine Situation entstehen lassen, bei der eine Teilregion nur verliert."

Ohne eine vernünftige Versorgung in der Fläche drohten an den Rändern Ausdünnung und Verödung, ist der Landrat überzeugt. Alle Schulen in den jetzt schon dominierenden Standorten Idar-Oberstein und Birkenfeld zu konzentrieren, "wäre das Ende des Kreises", pflichtete ihm der Experte Wolf Krämer-Mandeau (Bonn), der den Schulentwicklungsplan konzipiert hat, bei. Schon jetzt pendeln zehn Prozent der Schüler aus dem "BIR"-Land in andere Kreise aus, während die Einpendler-Quote bei nur drei Prozent liegt. "Das wollen wir zumindest ausgleichen", kündigte der Landrat an.

Dem längst entbrannten Kampf um Schüler über Kreisgrenzen hinweg "dürfen wir nicht tatenlos zusehen". Auch bei den Nachbarn gehen die Schülerzahlen ebenso wie im Kreis Birkenfeld wegen der demografischen Entwicklung zurück. Einfach nur abzuwarten, "wäre fatal", machte Krämer-Mandeau den Handlungsdruck deutlich. Wenn der Kreis jetzt nicht reagiere, "wird man die Entwicklung nicht mehr in den Griff bekommen", sagte er voraus.

Einer IGS-Variante hat das Land bereits eine Absage erteilt: Es ist dagegen, dass bei einem Doppelstandort wie Herrstein/Rhaunen die Klassenstufen 5 bis 10 an beiden Stellen unterrichtet werden. So läuft es darauf hinaus, dass die Klassen 5 bis 7 in Rhaunen und die Klassen 8 bis 13 in Herrstein zur Schule gehen - wobei Mainz auch Doppelstandorte nur als Ausnahme zulassen will.

Der neue Schulentwicklungsplan wird am Freitag, 30. Januar, ab 18 Uhr in Birkenfeld, und am Freitag, 6. Februar, in Herrstein (18 Uhr) und in Idar-Oberstein (20 Uhr) öffentlich vorgestellt. (kuk)