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Nahe Zeitung, 16.01.2009

Kooperierende Gesamtschule?

Redmer und Noss haben Lösung für die Kreisstadt im Blick: Gymnasium und Realschule plus sollen zusammenarbeiten

Nach Bekanntwerden des Schulentwicklungsplanes des Landkreises Birkenfeld kam vor allem aus der Birkenfelder Ecke massiver Widerstand (die NZ berichtete). Angesichts der Pläne, in Herrstein/Rhaunen sowie in Baumholder eine Integrierte Gesamtschule einzurichten, fürchtete Dr. Bernhard Alscher, Bürgermeister der VG Birkenfeld , dass dem Gymnasium und der Regionalen Schule der Kreisstadt die Grundlagen entzogen werden. Nun zeichnet sich möglicherweise in diesem Konflikt ein Kompromiss ab.

KREIS BIRKENFELD. Mit der Bildung einer kooperierenden Gesamtschule (KGS) kann nach Ansicht von Landrat Axel Redmer und dem Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Noss der Schulstandort Birkenfeld gestärkt und langfristig auf hohem Niveau gesichert werden. Erste Kontakte mit dem Mainzer Bildungsministerium hätten gezeigt, dass man dort offen für eine entsprechende Weiterentwicklung in der Kreisstadt sei.

Nur eine Orientierungsstufe

Nachdem der vom Landkreis beauftragte Bildungsplaner Wolf Krämer-Mandeau den Entwurf des Schulentwicklungsplanes vorgelegt hat, böte sich darauf aufbauend für den Standort Birkenfeld die Errichtung einer KGS an, meint Landrat Axel Redmer. Neben dem weiterhin bestehenden Gymnasium würde die derzeitige Regionale Schule in eine "Realschule plus" umgewandelt. Beide Schulen zusammen könnten einerseits ihre Selbstständigkeit bewahren und andererseits zugleich eine kooperierende Gesamtschule bilden. Dies würde bedeuten, dass jede der beiden Schulen ihren Namen beibehalten könnte und eine eigene Schulleitung behalten dürfte, die Lehrerkollegien getrennt blieben und lediglich die Orientierungsstufe von beiden Schulen gemeinsam zu tragen wäre. Für das Gymnasium hätte dies den Vorteil, dass es in der Orientierungsstufe von den Verbesserungen profitieren könnte, die grundsätzlich nur für die "Realschulen plus" gelten, erläutert Redmer.

Statt der bisherigen Klassenmesszahl von 30 würde dann auch für das Gymnasium die günstigere Zahl von 25 gelten. Da die "Realschule plus" als Ganztagsschule geführt werde, käme es auch für das Gymnasium zur rascheren Einführung des Ganztagsunterrichts, die jüngst noch von der Landesregierung zurückgestellt und fürs Idar-Obersteiner Göttenbach-Gymnasium genehmigt wurde (die NZ berichtete). Als Landrat legt Redmer großen Wert darauf, dass die Vorschläge des externen Bildungsplaners als nützliche und notwendige Grundlage und Entwurf für eine zukunftsfähige Schulentwicklungsplanung im Landkreis Birkenfeld aufgefasst werden.

Redmer: Sachlichkeit nötig

Redmer verweist darauf, dass sich bisher noch kein Gremium des Kreises mit dem Schulentwicklungsplan beschäftigt oder gar einen Beschluss über die Schulentwicklungsplanung gefasst hat. Auch die von Anfang an zugesagte öffentliche Diskussion durch Informationsveranstaltungen des Kreises sei noch gar nicht angelaufen. Vor diesem Hintergrund mache es keinen Sinn, wenn einzelne Akteure schon vorpreschten und das Thema gezielt emotionalisierten.

Noss und Redmer betonen, dass jetzt eine Sachdiskussion erforderlich ist, die sich an Bildungsnotwendigkeiten, dem Kindeswohl sowie an der Sicherung und Weiterentwicklung der "hervorragenden Schulstruktur" im Kreis Birkenfeld orientiert - und nicht an Kirchturmpolitik.

Dem widerspricht Werner Weber-Gemmel, stellvertretender Schulleiter des Birkenfelder Gymnasiums, vehement: "Uns geht es um die Schüler und um den gymnasialen Standort Birkenfeld. Die Einrichtung einer KGS ist für uns der äußerste Kompromiss und nur unter der Bedingung denkbar, dass das Gymnasium klar seine Eigenständigkeit behält. Hier schrillen alle Alarmglocken: Es ist schlicht nicht nachvollziehbar, dass Baumholder eine Integrierte Gesamtschule erhält. Das rechtfertigen die prognostizierten Schülerzahlen in keiner Weise." Vonseiten des Birkenfelder Gymnasiums werde man sich massiv gegen die Vorschläge des Planers wehren.

Antje Petri-Burger, Rektorin der Regionalen Schule Birkenfeld, schlägt moderatere Töne an: "Es ist möglich, dass wir pädagogisch enger zusammenrücken. Es gab ohnehin immer mal wieder kontakte und Absprachen. Wir müssen das Bildungsangebot in Birkenfeld so attraktiv wie möglich halten." Allerdings: Auch sie spricht sich für eine Wahrung der Eigenständigkeit der beiden Schulen aus.

Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Birkenfeld, Dr. Bernhard Alscher, betonte im Gespräch mit der Nahe-Zeitung: "Eine Zusammenarbeit der beiden Schulen in Sachen Orientierungsstufe ist in Ordnung. Aber das Gymnasium als solches muss erhalten bleiben. Das ist eine Identitätsfrage für eine Kreisstadt und den FH-Standort Neubrücke in unmittelbarer Nähe. Zudem sehe ich im Kreis Birkenfeld ein Überangebot an gymnasialen Abschlüssen wachsen. Das macht alles keinen Sinn. Für mich ist die ganze Planung absolut ergebnisoffen. " (vm)