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Nahe Zeitung, 23.05.2007

Für Erhalt des Kreises geworben

Innenminister Karl Peter Bruch gab bei der Feier zum 70-jährigen Bestehen allerdings noch keine Bestandsgarantie ab

Bei der Feier zum 70-jährigen Bestehen des Kreises Birkenfeld ging es auch um die Frage, ob sein Überleben bei der Verwaltungs- und Gebietsreform gefährdet ist.

BIRKENFELD. Die Hoffnungen, dass der Kreis Birkenfeld bei der für 2014 geplanten Verwaltungs- und Gebietsreform erhalten bleibt, nährte der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch am Montagabend bei der feierlichen Kreistagssitzung zum Jubiläum "70 Jahre Landkreis Birkenfeld" in der Stadthalle der Kreisstadt. "Hier ist viel mehr geschehen, als manche von außen sehen", betonte er vor allem mit Blick auf den Umwelt-Campus Birkenfeld, "dessen Entwicklung man gar nicht hoch genug einschätzen kann".

Landrat Axel Redmer hatte sich zuvor zuversichtlich gezeigt, "dass wir nicht das letzte runde Jubiläum des Kreises feiern". Mit diesem am 1. April 1937 von den Nationalsozialisten geschaffenen und in die Rheinprovinz eingegliederten Gebilde identifiziert sich nach Einschätzung des Landrats ein großer Teil der Bürger: "Sie wollen den Kreis auch erhalten wissen." Redmer mahnte, diese gewachsene Identität nicht leichtfertig zu zerstören.

Die "zeitgeistbedingt wie Pilze aus dem Boden schießenden Ranglisten", bei denen "BIR" meist auf hinteren Plätzen zu finden ist, veranlassten den Landrat zu einer zugespitzten Frage: "Sind wir auf dem Weg zu einem Reservat, dessen Einwohner den Zug der Zeit verpasst haben?" Den vor allem durch die Randlage bedingten Nachteilen stellte er einige Vorteile wie das familienfreundliche Angebot und die nach wie vor hohe Arbeitsplatzdichte sowie Schmuck und Edelsteine als "nicht nur in Deutschland einmaliges Markenzeichen" gegenüber.

"Das alles sollten wir selbstbewusst und laut nach außen tragen", postulierte auch Helmut Billert (CDU), der einmal mehr für die Umbenennung in Edelsteinkreis warb. "Wir waren nie eine reiche Region, aber es gibt uns auch nach zwei Gebietsreformen noch", blickte Hans Jürgen Noss (SPD) optimistisch nach vorn. Während Christel Catrein (LUB) den 13 Prozent der Kreisfläche beanspruchenden Truppenübungsplatz als Handicap sieht, bezeichnete Karl Peter Bruch das Militär als wichtigen Teil bei der zukünftigen Entwicklung des Kreises Birkenfeld.

"Es gibt kein Geheimpapier", betonte der stellvertretende Ministerpräsident im Hinblick auf die Verwaltungs- und Gebietsreform. Der Ansatz dabei: "Wie viel Verwaltung wird gebraucht, und wie viel ist bezahlbar?" Dazu will er in Kürze "ein erstes Papier als Diskussionsgrundlage vorlegen". Neben den Ortsgemeinden, laut Bruch wegen der dort ehrenamtlich geleisteten Arbeit ein "unschätzbarer Schatz", sollen auch die Landkreise als "sehr effiziente" Verwaltungseinheiten erhalten bleiben: "Sie werden in jeder Gliederung eine herausragende Rolle spielen." Die Frage ist, ob es bei der bisherigen Zahl von 24 bleibt. Es komme nicht allein auf die Einwohnerzahl an, unterstrich Bruch. Der Kreis Birkenfeld gehört mit seinen noch rund 88 000 Bürgern zu den kleinsten im Land, liegt aber hinsichtlich der Fläche im Mittelfeld.

Auch die Verbandsgemeinden haben sich nach Meinung des Ministers bewährt. "Sehr fraglich" ist es aber aus seiner Sicht, dass alle Kleinen unangetastet bleiben.

"Gute Kommunalpolitik beginnt mit der Kenntnis der Örtlichkeit", gab der Landrat dem Gast aus Mainz in der vom Mädchenchor und vom Jazzensemble des Göttenbach-Gymnasiums musikalisch umrahmten Feier einen Ausspruch des Freiherrn vom Stein mit auf den Weg. (kuk)