Startseite | Kontakt | Impressum | Sitemap

www.hans-juergen-noss.de

Nahe Zeitung, 14.05.2007

Mehr Zivilcourage ist gefordert
Podiumsdiskussion zu Rechtsextremismus: Probleme im ländlichen Raum

BIRKENFELD. "Gemeinsam stark gegen Rechtsextremismus" war das Leitmotto der von Arbeiterwohlfahrt, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und dem Deutschen Gewerkschaftsbund initiierten Informationsveranstaltung im Birkenfelder Schloss. Einem Vortrag von Andreas Müller vom Verfassungsschutz Rheinland-Pfalz schloss sich eine Podiumsdiskussion an. Landrat Axel Redmer bezeichnete den Rechtsextremismus als Thema, das alle Bürger betrifft, und freute sich über das große Interesse des Publikums.

In seinem Referat legte Müller besondere Schwerpunkte auf die Weltanschauung, die Erscheinungsformen und die Entwicklung des Rechtsextremismus.

Vorgehen wurde subtiler

Während sich Ideologie der rechten Szene seit der Zeit des Nationalsozialismus kaum verändert hat, sind Methodik und Vorgehen der Gruppen wesentlich subtiler geworden. Das macht es weitaus schwieriger, Rechtsextremisten zu erkennen und zu bekämpfen. Der "Standard-Nazi" mit Glatze und Springerstiefeln, wie er in vielen Köpfen verankert ist, ist nur eine Nuance.

Rheinland-Pfalz sei zwar keine Hochburg des Rechtsextremismus, betonte Müller. Allerdings ist die Gefahr trotzdem vorhanden und müsse bekämpft werden.

Entgegen der Vorurteile bewegt und verändert sich der Rechtsextremismus, so lässt sich nicht nur ein Wandel im Erscheinungsbild, sondern auch in der Altersstruktur erkennen: Jeder vierte Rechtsextreme ist zwischen 15 und 30 Jahren alt. Jugendliche sind die wichtigste Zielgruppe rechtsextremer Gruppen: Mit Hausaufgabenhilfen, Angeboten zur Freizeitgestaltung oder Hilfe bei schulischen und privaten Problemen wird das Vertrauen der Jugendlichen geweckt. Erst wenn es fast zu spät ist, kommt die Politik ins Spiel.

Die Diskussion mit Arno Ranft (Gymnasiallehrer und Kreisjugendwart der Sportjugend Rheinland), Felix Eitel (Sozialarbeiter beim Landesjugendamt und Mitarbeiter der Elterninitiative gegen Rechtsextremismus), Hans Jürgen Noss (innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion) und Andreas Müller setzte genau an dieser Stelle an. Handlungs- und Präventionsmöglichkeiten in Schule, Elternhaus und Jugendarbeit waren das Thema. Projekte in Schulen und Jugendorganisationen versuchen, die Jugendlichen vom Rechtsextremismus fernzuhalten. Dennoch kommen laut Felix Eitel mehr Jugendliche damit in Kontakt, als man denkt. Die "Elterninitiative gegen Rechts" des Landes Rheinland-Pfalz bietet Hilfe für Eltern "rechter" Jugendlicher an. Eitel sieht die Probleme vor allem im ländlichen Raum, wo die Jugendarbeit fehlt. Hier ist das persönliche Umfeld der Jugendlichen gefordert.

Familienstruktur fehlt oft

Auch Hans Jürgen Noss appellierte an die Bürger, selbst aktiv zu werden, da das Land nicht alle Probleme allein lösen könne. Ebenso trägt für ihn in erster Linie die Familie Verantwortung. Aus eigener Erfahrung sprach Tom Sessa, Jugendpfleger für Herrstein und Rhaunen: Er gab zu bedenken, dass viele Jugendliche keine richtige Familienstruktur mehr haben.

Zivilcourage, die häufig fehle, müsse unbedingt gefördert werden, lautete der Tenor: Nur wenn alle zusammenarbeiten, wird es möglich sein zu verhindern, dass sich der Rechtsextremismus ausbreitet. Kathrin Janz