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Nahe Zeitung, 23.02.2006

Experten sind von schneller Ausbreitung überrascht

Ministeriums-Mitarbeiter Dr. Gerald Gaß informierte über die Vogelgrippe - Großes Interesse bei Tauben- und Geflügelhaltern

IDAR-OBERSTEIN. Als der Landtagsabgeordnete Hans Jürgen Noss im Dezember des vergangenen Jahres mit dem Abteilungsleiter Gesundheit des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz, Dr. Gerald Gaß, den Termin für eine Informationsveranstaltung über Vogelgrippe ausmachte, ahnte noch keiner von den beiden, wie aktuell das Thema zwei Monate später auch in Deutschland sein würde. Ablesbar war dies auch an dem guten Besuch im Konferenzraum des Stadttheaters, wo sich mehr als 50 Interessierte eingefunden hatten, darunter zahlreiche Geflügelzüchter, Ziervogelhalter und Brieftaubenbesitzer.

Auch für Wildvögel tödlich

Zwar warnte Gaß vor Panik und erinnerte daran, dass die reale Gefährdung durch die Vogelgrippe eher gering sei, an ihr seien weltweit bislang etwa 120 Menschen gestorben, während allein in Deutschland die ganz "normale" Grippe rund 10 000 Todesopfer fordert. Überrascht seien allerdings auch die Experten von der Geschwindigkeit, mit der sich die Vogelgrippe verbreite, zumal die Zeit des Vogelzuges noch gar nicht richtig begonnen habe.

Ebenso wenig habe man damit gerechnet, dass es ausgerechnet Schwäne seien, die von dem Virus in größerer Zahl befallen werden, da diese selten mehr als 500 Kilometer zurücklegen. Auch die Tatsache, dass entgegen früherer Annahmen die Krankheit auch für Wildvögel tödlich sei, spreche dafür, dass man die Gefahr falsch eingeschätzt oder der Erreger sich inzwischen verändert habe.

Eine leichte genetische Veränderung von Viren, in der Fachsprache mit Antigen-Drift bezeichnet, sei ein permanenter Prozess, erläuterte Gaß, und führe dazu, dass die Impfstoffe ständig neu zusammengestellt werden müssen. Die eigentliche Gefahr bestehe aber in der Antigen-Shift, ein radikaler Sprung in der Zusammensetzung der Gen-Segmente. In einem solche Falle sei es auch denkbar, dass im Falle der möglicherweise entstehenden Übertragung von Mensch zu Mensch eine Pandemie, also eine weltweite Seuche, entstehe.

Zwar gebe es hier die Faustregel, dass ein Virus beim Wechsel auf eine andere Spezies meist "harmloser" werde, aber es gebe auch Gegenbeispiele, wie etwa zu Beginn des 20. Jahrhunderts die "Spanische Grippe" oder in den 60er-Jahren die "Hongkong-Grippe", an der jeweils Hunderttausende von Menschen starben. Allerdings, so betonte Gaß, habe man heute hinsichtlich der Vorbeugung und Behandlung wesentlich effektivere Mittel zur Hand als damals.

"Irgendwann auch bei uns"

Großes Interesse zeigten viele Hobby-Vogelhalter vom Geflügelzüchter bis zum Brieftaubenhalter. Tauben, so die bisherige beruhigende Erkenntnis, scheinen weder an der Vogelgrippe zu erkranken noch als Überträger zu fungieren. Ansonsten hatte der Gesundheits-Experte allerdings eher schlechte Nachrichten speziell für die Geflügelhalter. "Die Vogelgrippe hat sich ausgedehnt, und mit ziemlicher Sicherheit werden auch wir sie früher oder später bei uns haben." Panik, unterstrich Gaß, sei allerdings die falsche Reaktion. Hier gelte es, Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten und, wenn es soweit ist, vor allem den engen körperlichen Kontakt mit lebendem Geflügel, aber auch mit verendeten Tieren oder Vogelkot zu vermeiden. (jst)

Ministeriumsmitarbeiter Dr. Gerald Gaß (links) informierte auf Einladung des Landtagsabgeordneten Hans Jürgen Noss über die Vogelgrippe. Foto: Hosser