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Nahe Zeitung, 16.01.2006

Nachtdienst bei der Polizei in Baumholder: Nach sehr turbulenten Sommermonaten geht es zurzeit in der Westrichstadt sehr viel ruhiger zu

Präsenz ist das A und O

Wenn die Beamten zur Schicht antreten, wissen sie nie, was sie erwartet - "Kein Dienst ist gleich"

Freitag, der 13. und Vollmond? Diese Konstellation ist - da gibt es durchaus Erfahrungswerte - in der Regel Garant für ein volles Rapportbuch. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. "Als Polizist weiß man eben nie, was in der nächsten Minute passiert", hütet sich Polizeikommissar Dieter Schweig davor, den Besuchern der Inspektion in Baumholder eine ereignisreiche Nacht zu versprechen...

BAUMHOLDER. Freitag, 20.40 Uhr: Die Kollegen der Spätschicht warten auf die Nachtschicht. Polizeihauptkommissar Siegfried Heylmann öffnet die Tür einer der kleinsten Dienststellen im Bereich des Polizeipräsidiums Trier. Wegen der besonderen Situation hat sie dennoch eine exponierte Stellung: Die PI in Baumholder ist für die Sicherheit von rund 26 000 Menschen - darunter rund 14 000 Soldaten der amerikanischen und deutschen Streitkräfte - zuständig.

"Kommen Sie rein, die Kollegen trudeln demnächst ein", begrüßt Heylmann die Besucher. Landtagsabgeordneter Hans Jürgen Noss und NZ-Redakteurin Petra Mix schauen den Beamten einige Stunden lang während der Nachtschicht "über die Schulter". Die Spätschicht-Kollegen erledigen Schreibarbeit, PHK Heylmann erzählt von einem Vermisstenfall. "Keine Angst, das ist ein junges Mädchen, das schon öfter von zu Hause abgehauen ist, und sich jetzt im Bereich Birkenfeld aufhalten soll", relativiert Heylmann den Fall. Die Birkenfelder Kollegen sind informiert.

Kurz vor 21 Uhr: Polizeikommissar Dieter Schweig leitet die Nachtschicht. "Wahrscheinlich wird es eher ruhig heute Nacht", beweist der 51-jährige Hoppstädten-Weiersbacher Weitsicht. "Im Frühjahr und Sommer, als die Amerikaner aus dem Irak zurückkamen, hatten wir hier jedes Wochenende und auch in der Woche oft alle Hände voll zu tun", erinnert er sich an die Alkoholeskapaden der amerikanischen Soldaten in der Stadt.

Vernehmung um 22 Uhr

Das "erschreckend hohe Aggressionspotenzial" habe die Arbeit sehr erschwert, blickt Schweig zurück. Monatelang wurde die Dienststelle deshalb von Rotationskräften verstärkt. Zurzeit ist es ruhig in Baumholder, für die Beamten nach den turbulenten Sommermonaten Anlass zum Durchatmen, liegt doch hier der Altersschnitt bei 50,9 Jahren. "Die Leute sind immer da, wenn es darauf ankommt, nachts lässt einfach ab einer gewissen Uhrzeit die Kraft nach", berichtet Schweig auch aus eigener Erfahrung. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet er im Wechselschichtdienst.

Es klingelt, ein Mann kommt zur Vernehmung, es ist fast 22 Uhr. Polizeikommissar Alois Backes hat schon alles vorbereitet. In einem anderen Büro erledigt Polizei-oberkommissar Friedrich Gaab Schreibkram. "Das muss gemacht werden, egal ob tagsüber oder nachts", lacht der 56-Jährige.

Zu den Aufgaben der Nachtschicht gehört - da gibt es keine Unterschiede zur Tag- und Spätschicht - die Streifenfahrt. "Wir schauen, dass immer ein Wagen draußen ist", erklärt PK Schweig. Polizeikommissar Christian Barth aus Sötern, Rotationskraft von der Bereitschaftspolizei in Wittlich, fährt den Bus. MdL Noss hat neben ihm Platz genommen. Auf der Rückbank erklärt Schweig bei der Fahrt durch die Stadt, worauf es ankommt: "Wir fahren die Stellen an, wo es kritisch werden könnte, gehen auch in die Lokale rein. Unsere Präsenz vor Ort ist wichtig."

In der Stadt sind in dieser eisigen Vollmondnacht kaum Leute unterwegs. Ab und zu sind ein paar Jugendliche zu sehen, die Kneipen sind nicht sehr voll, auch Wagen sind kaum unterwegs. Der Polizeibus hält vor dem "Manhattan", einer Disco, die in erster Linie von Amerikanern besucht wird. Schräg gegenüber ist das "Dallas", eine Bar, die an diesem Abend sehr verlassen wirkt, weil sie zurzeit geschlossen ist. Auf der anderen Straßenseite das "Blue", eine weitere Bar, in der zu guten Zeiten der Laden richtig brummt. "Wir nennen das hier auch das "Bermuda-Dreieck"", schmunzelt Schweig.

Im Sommer waren an dieser Stelle manchmal etwa 200 Amerikaner und auch deutschen Gäste vor den Türen, und "haben nicht nur gefeiert." Im "Manhattan" wabert dichter Disco-Nebel auf der Tanzfläche. Der dicke, rote Teppichboden bebt unter den wummernden Bässen, zwei Frauen tanzen, die Polizisten tun ihre Arbeit und sind froh, wieder winterliche Luft atmen zu können.

Tanzstangen verwaist

Weiter geht es zur Table-Dance-Bar "Vegas". Die Security-Männer am Eingang staunen nicht schlecht ob des Besucherandranges, der allerdings rein dienstlich ist. In der sehr gepflegt wirkenden Bar sind die Tanzstangen verwaist, die Frauen warten an der Theke auf Gäste, ein einzelner Mann sitzt in der Bar. Die Polizisten wechseln ein paar Worte mit den Mädchen, das war es. Ein ruhiger Abend - und das nicht nur für die Polizei.

Ein Einsatz wird gemeldet: Wildunfall auf der Freisener Höhe. Ein amerikanischer Fahrer hat ein Reh mit der Stoßstange seines Wagens erwischt. Das Tier ist durch den Aufprallt regelrecht zerfetzt. Ein Anblick, den auch Polizisten nicht alle Tage haben, bestätigt Christian Barth.

Zurück im Hof der Dienststelle zieht Polizeihund "Asko" die Blicke auf sich. Lautstark meldet er die "Eindringlinge". Seit drei Jahren sind Asko und Polizeihundeführer Fritz Mettlach aus Baumholder ein Team. Der 62-jährige Polizeihauptkommissar und sein Hund haben in Baumholder an diesem Abend nichts zu tun, werden aber dringend bei den Kollegen in Idar-Oberstein erwartet.

Gegen 1 Uhr klingelt es noch einmal: Eine Frau meldet einen Unfall. Zwei Kollegen fahren raus. Der Wagen steht quer auf der Straße am Ortseingang von Baumholder. Später wird sich herausstellen, dass der Fahrer aus Richtung Heimbach kommend mit seinem Pkw nach dem Durchfahren einer Linkskurve von der Fahrbahn abkam. Er fuhr in einen Hang, das Auto wurde auf die Fahrbahn geschleudert und blieb dort quer stehen. Nach einer Blutprobe musste der Fahrer seinen Führerschein abgeben.

Den Rest der Nacht über ist es ruhig in Stadt und Umland. "In den Dörfern werden in der Regel um 23 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt, darüber sind wir nicht traurig", wissen Schweig und seine Kollegen aus Erfahrung, dass es dennoch jederzeit wieder turbulent werden kann. Petra Mix

Der Leittisch ist das Herzstück der Polizeiinspektion: Hier laufen unter anderem alle Notrufe ein. Polizeikommissar Dieter Schweig (links) erklärte dem Landtagsabgeordneten Hans Jürgen Noss die einzelnen Funktionen. Fotos: Jana Lambur