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Nahe Zeitung, 09.02.2006

Europa muss als Sündenbock herhalten
Der Vize der Luxemburger Sozialdemokraten, Yves Cruchten, diskutierte in Idar mit jungen Leuten

IDAR-OBERSTEIN. Die Politik habe den "Riesenfehler" gemacht, Europa als Selbstverständlichkeit zu betrachten, statt den Bürgern die Chancen der europäischen Integration zu verdeutlichen.

So kommentierte Yves Cruchten in seinem Vortrag "Jugend - Politik - Europa" die Ablehnung des EU-Verfassungsvertrags bei den Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden sowie die nur knappe Billigung in Luxemburg.

Bei 56,5 Prozent Ja-Stimmen in seinem Heimatland war für den stellvertretenden Vorsitzenden der LSAP, der Sozialdemokraten im Großherzogtum, auffällig, dass zwei Drittel der unter 30-jährigen Luxemburger mit Nein votierten. Dabei hätten gerade Themen wie Bürgerbeteiligung, Grundrechte und Minderheitenschutz die jungen Menschen ansprechen müssen, meint der 30-Jährige. "Aber dies war auch ein gefundenes Fressen für Populisten und Nationalisten." Der Dialog mit den Bürgern fehle - Abhilfe könnten Medien und Parteien, aber auch jeder Einzelne schaffen. 70 Prozent der nationalen Politik seien von der EU diktiert, betonte der "Vize" des Juniorpartners in der Regierung des Christlich-Sozialen Juncker: "Dennoch schicken die Parteien nicht ihre Tenöre nach Brüssel, sondern Auslaufmodelle..."

Europa müsse oft als Sündenbock herhalten, seine Bedeutung werde unterschätzt, bedauerte der Gastgeber, Landtagsabgeordneter Hans Jürgen Noss (SPD). "In der Tat gab es in Deutschland keine Debatte um den Verfassungsvertrag", bekräftigte Fritz Rudolf Körper. Kein Land profitiere von der Ost-erweiterung so stark wie Deutschland, befand der SPD-Bundestagsabgeordnete.

"Der Wahnsinn in den beiden Weltkriegen" war für Helmut Schneider die Voraussetzung der europäischen Einigung. "Viele Nationen sehen in Europa in erster Linie einen Selbstbedienungsladen", resümierte Cruchten, unter dessen zwei Dutzend Zuhörern viele Heranwachsende waren.

Gemeinsam mit den Abgeordneten Fritz Rudolf Körper (links) und Hans Jürgen Noss (rechts) diskutierte der Luxemburger Yves Cruchten über das Thema "Jugendpolitik und Europa".