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Nahe-Zeitung, 17.08.2004

"Bitte keine Horrorszenarien"
Die gestern erwartete Bush-Rede über die geplante Umstrukturierung der US-Streitkräfte brachte nicht die erhoffte Klarheit

Die von US-Präsident George W. Bush gestern Nachmittag angekündigte umfassende Umstrukturierung der US-Armee könnte auch Baumholder treffen. Der Abzug der 1. Panzerdivision scheint wahrscheinlich. Details nannte Bush gestern allerdings nicht.

BAUMHOLDER. Die Zitterpartie in Baumholder geht weiter. Schon seit mehr als einem Jahr ist immer wieder davon die Rede, dass die US-Soldaten der 1. Panzerdivision abgezogen werden. Am Sonntag hatte der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld Entsprechendes verkündet und eine Pressekonferenz des Präsidenten für gestern Nachmittag angekündigt. Doch die Rede George W. Bushs vor Veteranen bringt für Baumholder derzeit keine Klarheit.

"Zahlen gewünscht"
"Ich warne davor, Horror szenarien zu entwerfen", beschwichtigt der SPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Noss. "Wir können jetzt nur auf Detailinformationen warten und dann reagieren." Konkrete Zahlen hätte sich auch Baumholders Stadtbürgermeister Peter Lang gewünscht. "Dann könnte man besser planen." Für den Fall, das die 1. Panzerdivision abziehe, müsse man sich um Alternativen bemühen, sagt Lang, der gestern im Interviewstress war. Die Financial Times Deutschland bat schon am Sonntag um ein Gespräch, gestern kamen ZDF, Sat 1, SWR und diverse Zeitungen. Lang macht sich allerdings keine Illusionen. "Wir werden - bei welcher Lösung auch immer - weniger US-Soldaten in Baumholder haben als bisher."
Das Medienspektakel kann Verbandsbürgermeister Volkmar Pees nicht nachvollziehen. "Dass die 1. Panzerdivision gehen wird, damit rechnen wir schon seit längerem." Er vermutet, dass Bush mit dieser Ankündigung im US- Wahlkampf punkten möchte. "Es werden Gespräche geführt, um andere Möglichkeiten für Baumholder zu finden", ist Pees durchaus optimistisch. Er und auch Noss sehen eine Zukunft für den Militärstandort Baumholder. Wie allerdings ein möglicher Ersatz für die 1. Panzerdivision ausfällt, darüber könne man derzeit nur spekulieren. Auch einen Ausbau des Truppenübungsplatzes durch und für die Bundeswehr schließen Noss und auch CDU-Kreisvorsitzender Helmut Billert nicht aus. "Die Bundeswehr kann vor dem Hintergrund dieser Informationen ihre neue Struktur so zimmern, dass sie darauf Rücksicht nimmt", hofft Billert.

Eher gelassen
Abzug der US-Soldaten aus Baumholder? Im Public Affaires Office in Baumholder hatte man davon nur in Zeitungen gelesen. "Ansonsten warten wir ab", erklärt Madeleine Dwoiadkowski. Sie und ihre Kollegen des Büros für Öffentlichkeitsarbeit - sie wären von einem möglichen Abzug der US-Armee genauso betroffen wie rund 600 andere Zivilbeschäftigte - kümmern sich derzeit um die Irak-Rückkehrer. Die allermeisten der 5300 US- Soldaten sind jetzt erst wieder von ihrem Irak-Einsatz zurück. Sie genießen die Zeit mit ihren Familien und den Urlaub nach den Strapazen im Kampfeinsatz. Am 10. September soll eine Feier, eine Welcome-Home-Party, für sie stattfinden, die derzeit geplant wird. "Die Spekulationen um einen möglichen Abzug gibt es doch schon seit ein bis zwei Jahren", ist Dwoiadkowski gelassen. So beschreibt sie auch die Stimmung gestern in der Militärgemeinde. (gav)