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Nahe-Zeitung, 05.03.2003

Von der Ersatzbank in den Landtag
Für Hans-Jürgen Noss ist Politik ein Mannschaftsspiel - NZ-Interview mit dem neuen Landtagsabgeordneten aus Birkenfeld

Weil Axel Redmer Landrat wurde, konnte Hans-Jürgen Noss in den Landtag nachrücken. Der 50-jährige Sozialdemokrat aus Birkenfeld sieht sich aber keineswegs nur als Übergangslösung. Er will vielmehr auch bei der nächsten Landtagswahl im Jahr 2006 kandidieren. "Sonst würde es wohl keinen Sinn machen", betonte er im Gespräch mit der Nahe-Zeitung.

KREIS BIRKENFELD. Der im saarländischen Schmelz geborene Hans-Jürgen Noss gehört seit 1989 dem Kreistag an, wo er seit 1995 die SPD-Fraktion führt. Von 1979 bis 1987 saß der verheiratete Familienvater, der eine 24-jährige Tochter und einen 27-jährigen Sohn hat, im Stadtrat und im Verbandsgemeinderat Birkenfeld. Bei der Verbandsgemeindeverwaltung Birkenfeld war der Oberamtsrat unter anderem für Marketing und Wirtschaftsförderung zuständig.
In der Kreisstadt hat der neue MdL bereits ein ganztägig geöffnetes Bürgerbüro in der Innenstadt eingerichtet. Dort sowie in Idar-Oberstein und allen Verbandsgemeinden will er regelmäßig Sprechstunden anbieten.

Wie verbringt man denn als neuer Landtagsabgeordneter seine ersten Tage in Mainz, und wie sind Sie von ihren Kollegen empfangen worden?

Ich mache das, was Neulinge überall machen müssen, nämlich zuerst mal die Bürokratie bewältigen: sich anmelden, Formulare ausfüllen und sich orientieren, wo was ist. Ich werde mir jetzt erstmal alles anschauen, um die Abläufe und Regularien kennenzulernen. Der Empfang war sehr freundlich und kollegial. Einige aus der SPD-Landtagsfraktion kannte ich ja auch bereits von meiner bisherigen politischen Tätigkeit.

Die eigentliche Landtagsarbeit wird ja in den Ausschüssen erledigt. In welchen sind Sie künftig vertreten?

Ich bin Mitglied im Innenausschuss und stellvertretendes Mitglied im Umweltausschuss und im Rechtsausschuss. Der Innenausschuss ist einer der wichtigsten Ausschüsse, in den man als Neuling normalerweise nur sehr schwer reinkommt. Für mich ist das mit meinen Kenntnissen aus der Kommunalpolitik und der Verwaltung genau der richtige Ausschuss. Ich glaube, dass ich speziell auf diesen Gebieten einige Erfahrung und Hintergrundwissen mitbringe, was mir dort sehr nützlich sein dürfte.

War der Einzug in den Landtag für Sie ein politisches Traumziel?

Ich habe das nicht verkrampft angestrebt. Es hat sich eher so ergeben. 1994, bei meiner Nominierung als 1b-Kandidat hinter Axel Redmer, war ja nicht absehbar, dass ich eines Tages nachrücken würde. Aber es ist ähnlich wie bei einem Fußballer, der bereit ist, sich auf die Ersatzbank zu setzen. Da kann es auch passieren, dass eines Tages der Trainer kommt und sagt: Heute spielst Du in der ersten Elf.

Und wie lange wollen Sie jetzt im Landtag mitspielen?

Es ist auf jeden Fall mein Ziel, über diese laufende Wahlperiode hinaus im Landtag zu arbeiten. Anderenfalls hätte dieser Schritt wenig Sinn gemacht.

Wo wollen Sie denn Ihre Schwerpunkte setzen?

Ich werde natürlich versuchen, dem Landkreis und damit den hier lebenden Bürgerinnen und Bürgern weiterzuhelfen, vor allem im Bereich Wirtschaftsförderung und der Verbesserung der Infrastruktur, insbesondere bei der Verkehrserschließung mit den Stichworten B 41 und Verbindungsspange zum Flughafen Hahn. Aber es wird aufgrund der finanziellen Rahmenbedingungen insgesamt schwieriger. Wir haben lange davon profitiert, dass wir Konversionsgebiet sind. Die goldenen Zeiten sind aber leider vorbei.

Inwieweit wollen und werden Sie sich an ihrem Vorgänger Axel Redmer orientieren?

Er hat als Jurist andere Fähigkeiten und damit auch Schwerpunkte als ich. Jeder muss in einer solchen Situation seinen eigenen Weg finden. Genausowenig, wie der neue Landrat Axel Redmer seinen Vorgänger imitieren wird, werde ich Axel Redmer imitieren.

Zwischen der Kreisstadt Birkenfeld und Idar-Oberstein gibt es ja immer noch eine gewisse Rivalität. Wie ist denn ihre Beziehung als langjähriger Birkenfelder zu Idar-Oberstein?

Meine Überzeugung ist: Wenn's Idar-Oberstein gut geht, geht's auch dem ganzen Kreis gut. Deshalb werde ich mich dafür einsetzen, dass es Idar-Oberstein gut geht. Kirchtumspolitik ist in einem solch kleinen Gebiet ohnehin kontraproduktiv. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht auch mal Spannungen geben kann, wenn es beispielsweise um Standortfragen geht.

Sie sind gebürtiger Saarländer und leben jetzt schon lange in Rheinland-Pfalz. Sind Sie für eine Zusammenlegung der beiden Bundesländer?

Ich halte es generell für sinnvoll, die Zahl der Bundesländer zu verringern, wenn dadurch wirklich Geld gespart wird. Allerdings weiß ich, dass speziell die Saarländer ein sehr ausgeprägtes Ego haben... Wichtig ist, dass die Bürgernähe erhalten bleibt. Das gilt insbesondere für die Diskussionen um den Zuschnitt von Kreisen, Verbandsgemeinden und Ortsgemeinden. Es gibt rund 9500 Ortsgemeinden in den alten Bundesländern, davon etwa die Hälfte allein in Rheinland-Pfalz. Da wird es unter einem stärkeren Kostendruck wohl irgendwann Veränderungen geben. Wobei kleine Einheiten den Vorteil haben, dass sich die Bürger stärker mit ihnen identifizieren und dadurch auch eher bereit sind, sich für die Gemeinschaft zu engagieren.

Sie sind jetzt Landtagsabgeordneter, SPD-Kreisvorsitzender und Sprecher der SPD- Kreistagsfraktion. Dadurch haben Sie viel Macht gewonnen...

Ich habe nicht mehr Macht, sondern mehr Verantwortung. Ich habe Politik immer als Mannschaftsspiel gesehen und das wird auch so bleiben. Wir können unsere Probleme nur gemeinsam lösen. In Auseinandersetzungen ist für mich deshalb Sachlichkeit oberstes Gebot. Persönliche Attacken kommen in aller Regel dann, wenn jemand in Diskussionen keine inhaltlichen Argumente mehr hat. Deshalb halte ich es für wichtig, inhaltlich immer gut vorbereitet zu sein.

Wieviel Zeit lässt Ihnen die Politik für Ihre Hobbys?
Es wird immer enger. Aber ich spiele nach wie vor gern Fußball. Das ist seit 40 Jahren mein bevorzugter Sport. Wenn ich zum Lesen komme, greife ich am liebsten zu Sachbüchern über geschichtliche und zeitgeschichtliche Themen. Ich mag auch Biografien.

Das Gespräch führte Kurt Knaudt