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Hans Jürgen Noss, MdL

Nahe Zeitung vom 4. Dezember 2016

Keine Überraschung: SPD kürt Joe Weingarten zum Direktkandidaten
Die SPD schickt Joe Weingarten ins Rennen um das Direktmandat im Wahlkreis Bad Kreuznach-Birkenfeld. Die Delegierten nominierten ihn bei der Wahlkreiskonferenz am Freitagabend im Haus Horbach in Hochstetten-Dhaun mit 117 Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen. Vier Stimmen erhielt Bruno Jost (Roxheim), der zur allgemeinen Überraschung gegen den von den beiden Kreisvorständen einstimmig vorgeschlagenen Weingarten antrat.

Von Kurt Knaudt

Er habe sich erst am Mittwoch entschieden, ebenfalls zu kandidieren, verriet Jost. Ihm gehe es gegen den Strich, dass nur ein Bewerber zur Wahl stehen solle, begründete der 63-jährige Lehrer seinen Vorstoß. Noch einmal eine Große Koalition ist für ihn ein Albtraum, während er Rot-Rot-Grün viel abgewinnen kann.

Weingarten hingegen hat bei den Linken Bedenken. Einsätze der Bundeswehr und der Nato als Kriegstreiberei zu diskreditieren: "Das geht gar nicht." Die Mainzer Farbenlehre Rot-Gelb-Grün könnte sich der 54-Jährige auch in Berlin gut vorstellen. Aber auch eine erneute Große Koalition will er in solch unruhigen Zeiten nicht von vorn herein verdammen.

Zu den ersten Gratulanten für den mit 94,4 Prozent gewählten Diretkandidaten gehörten die Kreisvorsitzenden Hans-Dirk Nies, der Landratswahl im Kreis Bad Kreuznach werden will, und Hans-Jürgen Noss (Birkenfeld). Nies und Noss machten sich vor der Abstimmung für Weingarten stark. "Er hat mich begeistert", jubilierte der Bad Kreuznacher. Weingarten sei ein Wirtschaftsfachmann, der Türen öffnen könne, schwärmte Noss.

Ausgerechnet Fritz Rudolf Körper empfahl Weingarten, auf den Sieg im Wahlkreis und damit das direkte Ticket nach Berlin zu setzen statt "zu sehr auf die Landesliste zu schielen". Dabei ist der Rehborner, der lange ein Abo als Direktkandidat hatte, deshalb nicht mehr im Bundestag, weil er 2013 bei seiner Niederlage gegen CDU-Seiteneinsteigerin Antje Lezius nicht auf der Landesliste abgesichert war.

Noss zeigte sich verwundert über die CDU-Kritik, dass Weingarten nicht im Wahlkreis, sondern "fünf Kilometer außerhalb" in Alsenz (Donnersbergkreis) wohnt. "Die CDU wäre froh, wenn sie eine Kandidatin hätte, die in Alsenz wohnt und das Fachwissen von Joe hat." Der in Bad Kreuznach geborene und im Idar-Obersteiner Stadtteil Weierbach aufgewachsene Sozialdemokrat setzte noch eins drauf: "Antje Lezius lebt im Wahlkreis, sie schläft auch im Wahlkreis – aber leider viel zu oft."

Auch die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner nahm Weingarten aufs Korn. Er habe schon einen Titel für ihre späteren Memoiren: "Vergebliches Bemühen." Untertitel: "Wie ich es 35 Jahre lang nicht geschafft habe, Ministerpräsidentin zu werden."

In seiner Bewerbungsrede sprach sich der Abteilungsleiter im Wirtschaftsministerium, der seit seiner Vorstellung Anfang Oktober nach eigener Aussage bereits 18 Veranstaltungen im Wahlkreis absolviert hat, gegen einen schrankenlosen Kapitalismus und für mehr soziale Gerechtigkeit aus. Bis vor kurzem habe er es nicht für möglich gehalten, "dass wir für Europa kämpfen müssen".

Fassungslos sei er auch angesichts des "Phänomens Donald Trump"."In der AfD sind nicht nur Rechtspopulisten und Faschisten, aber die Partei duldet sie in ihren Reihen", betonte Weingarten. Hinter ihm wurden Eva Milisenda (Idar-Oberstein) und Michael Simon (Bad Kreuznach) einstimmig als weitere Kandidaten für die Landesliste zur Bundestagswahl gewählt.