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Nahe Zeitung, 09.08.2007

Nature One: Die Politik schaltet sich ein

CDU: Den Besitz harter Drogen nicht mehr tolerieren - SPD: Prävention fördern - DJ Chris Liebing: "Verbote helfen so wenig wie Warnschilder"

Die Debatte um das Technofestival Nature One und den dortigen Drogenkonsum kocht hoch. Nun schalten sich auch die politischen Parteien ein.

RHEINLAND-PFALZ. Soll das Technofestival Nature One wegen des Drogenkonsums verboten werden? Das Polizeipräsidium Koblenz hat diese Debatte angestoßen (wir berichteten), und nun sprang die Mainzer Landespolitik auf den Zug auf.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Hans-Josef Bracht, spricht sich dafür aus, den Besitz von harten Drogen wie Heroin, Kokain oder Amphetaminen in Rheinland-Pfalz überhaupt nicht mehr zu tolerieren. "Wir müssen bei den Jugendlichen ein Zeichen setzen. Drogenkonsum ist kein Kavaliersdelikt und gehört nicht praktisch als Zubehör zu einem Musikfestival. Wer dies verharmlost und mit dem Genuss von Wein und Bier bei traditionellen Großveranstaltungen wie Rhein in Flammen gleichsetzt, der begeht eine gefährliche Verharmlosung der Drogenproblematik", so Bracht. Die Kollegen der FDP wollen die "schockierende Drogenbilanz" bei der nächsten Sitzung des Innenausschusses besprechen. Die alleinregierende SPD kontert über ihren innenpolitischen Sprecher Hans Jürgen Noss: "Null Toleranz und der Ruf nach Ermittlungsverfahren gegen Jugendliche und Heranwachsende sind die Rezepte der CDU. Kein Wort verliert man dort über Drogenprävention und andere Maßnahmen." Und genau die will die SPD in Zukunft weiter fördern. Also kein Verbot der Nature One? "Es ist nicht geplant, mit einem Verbot gegen die Nature One vorzugehen. Die Sache ist ja weit differenzierter zu sehen und man sollte nicht das Kind mit dem Bade ausschütten", heißt es auf Anfrage unserer Zeitung.

Warum wird die Technoszene eigentlich so sehr mit Drogen in Verbindung gebracht? Der Frankfurter DJ Chris Liebing ist einer der Stars der Szene und legte am Wochenende auch auf der Pydna auf: "Jede Musikrichtung hat ihre Drogen", sagt er. "Die Hippies hatten ihr LSD, der Rock 'n' Roll Bier und Haschisch, und als Techno groß wurde, waren die Designerdrogen in." Doch will er nicht eine ganze Szene über einen Kamm scheren. "Ich denke schon, dass fast jeder einmal seine Erfahrungen mit Drogen gemacht und sie einmal probiert hat, aber die meisten haben es beim Probieren belassen." Seiner Ansicht nach sind die Zahlen der Polizei nicht aussagekräftig, was den tatsächlichen Drogenkonsum zum Beispiel bei der Nature One angeht. "Die Zahlen sagen nur aus, wie gut oder wie schlecht die Polizei kontrolliert hat. Aber nicht, ob die Dunkelziffer gestiegen oder gesunken ist."

Kann er als Idol eine Vorbildfunktion ausüben? "Ich stelle mich nicht unter Drogen hinter den Plattenteller", so Liebing. "Ich sage, dass Techno ohne Drogen besser und die Erfahrung der Musik größer ist." Ein Freund von Verboten ist er aber auch nicht. "Verbote helfen so wenig wie Warnschilder gegen Drogenkonsum." Michael Defrancesco