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Drucksache 15/3141 05.02.09

K l e i n e A n f r a g e
der Abgeordneten Hans Jürgen Noss, Fritz Presl, Michael Hüttner und Ruth Leppla (SPD)

und

A n t w o r t
des Ministeriums des Innern und für Sport

Fanprojekte in Rheinland-Pfalz

Die Kleine Anfrage 1980 vom 5. Februar 2009 hat folgenden Wortlaut:
Anfang Februar 2009 ist der Sachbericht „Fanprojekte 2009“ der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der dsj erschienen. In sogenannten Fanprojekten organisieren sich Fans von Fußballvereinen, um gemeinsam und auf Augenhöhe das Gespräch mit allen an Fußballveranstaltungen Beteiligten zu suchen und an Lösungen vorhandener Probleme zu arbeiten. Zentraler Bestandteil der Fanprojekte ist die Präventionsarbeit gegen Extremismus, besonders gegen den Rechtsextremismus. In Fanprojekten geht man auf die Ursachen extremen Verhaltens bei jungen Menschen ein und sucht Lösungsansätze. Weitere Ziele von Fanprojekten sind die Steigerung von Selbstwertgefühl und Verhaltenssicherheit bei jungen Fans oder die Förderung im Aufbau von Selbstregulierungsmechanismen.

Wir fragen die Landesregierung:
1. Welche Fanprojekte gibt es in Rheinland-Pfalz?
2. Wie bewertet die Landesregierung die Arbeit der Fanprojekte in Rheinland-Pfalz?
3. Wie gestaltet sich die Förderung von Fanprojekten in Rheinland-Pfalz?
4. Wie hoch sind die Fördermittel für Fanprojekte in Rheinland-Pfalz?

Das Ministerium des Innern und für Sport hat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 26. Februar 2009 wie folgt beantwortet:

Zu 1.:
In Rheinland-Pfalz gibt es das Fanprojekt des FSV Mainz 05 und des 1. FC Kaiserslautern. Das Fanprojekt von Eintracht Trier ist in Vorbereitung.

Zu 2.:
Seit dem Inkrafttreten des Nationalen Konzepts Sport und Sicherheit (NKSS) sind rund 15 Jahre vergangen. In dieser Zeit haben sich sowohl das Fanverhalten als auch die Sicherheit und die Betreuungsphilosophie verändert. Insbesondere ist es größtenteils gelungen, eine institutionalisierte Kommunikation aller Verantwortlichen im „Fußballsicherheitsbereich“ zu gewährleisten. In dieser Sicherheitsphilosophie spielen Fanprojekte eine bedeutende Rolle, sollen diese doch vor allem Mitgliedern jugendlicher
Problemgruppen bei der Bewältigung ihrer Schwierigkeiten helfen und sie vor strafwürdigem Verhalten bewahren. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im Bereich der Präventionsarbeit gegen Extremismus, besonders gegen Rechtsextremismus. Daneben sollen Fanprojekte verhindern, dass insbesondere jüngere Jugendliche in derartige Problemgruppen abgleiten. Das Fanprojekt Mainz 05 leistet in diesem Zusammenhang seit vielen Jahren hervorragende Arbeit, die auch vom Land jährlich finanziell unterstützt wird. Darüber hinaus wurde vor zwei Jahren in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt ein neues Fanprojekt in Kaiserslautern nach dem Konzept des NKSS gegründet. Die Fanprojekte leisten aufsuchende Jugendsozialarbeit bei Heim- und Auswärtsspielen und sonstigen Treffen der Fans, offene Jugendarbeit in Fancafés und darüber hinaus soziale Betreuung. Ziele sind die Steigerung des Selbstwertgefühls und der Verhaltenssicherheit junger Fans sowie die Hinführung zu gewaltfreier Konfliktlösung im Rahmen von Selbstregulierungsmechanismen. Fanprojekte sind aber auch geeignete Initiativen, um nachhaltig und effektiv im Vorfeld von Sportveranstaltungen deeskalierend zu wirken und um so auf eine gewaltfreie Fanszene hinzuarbeiten. Nach den Vorgaben des NKSS wurde eine Koordinierungsstelle für Fanprojekte eingerichtet, deren Aufgabe es ist, den Informationsaustausch zwischen den einzelnen Fanprojekten sicherzustellen, Konzepte für die anlassbezogene Jugend- und Sozialarbeit zu erarbeiten, Hinweise für die Öffentlichkeitsarbeit zu geben und den Aufbau neuer Fanprojekte beratend zu begleiten. Eine vertrauensvolle Kooperation des Ministeriums des Innern und für Sport und der Polizei wird auch mit den Fanbeauftragten der TuS Koblenz und Eintracht Trier gepflegt mit dem Ziel, zukünftig auch dort Fanprojekte nach dem Konzept des NKSS aufzubauen.

Zu 3.:
Auf der Grundlage des nationalen Sicherheitskonzeptes, das von der Innenministerkonferenz Anfang der 90er Jahre verabschiedet wurde, werden die Fanprojekte in Rheinland-Pfalz zu je einem Drittel vom DFB und der DFL, der jeweiligen Kommune und dem Land finanziert. Dabei orientiert sich der Anteil des DFB und der DFL an den Leistungen der Kommune und des Landes.

Zu 4.:
Nach den bisher geltenden Richtlinien wurden Fanprojekte jährlich mit bis zu 51 000 € bei Erstligazugehörigkeit und bis zu 30 600 € bei Zweitligazugehörigkeit durch die drei Partner gefördert. Im letzten Jahr hat das DFB-Präsidium entschieden, dass es bereit ist, Fanprojekte zukünftig spielklassenunabhängig mit bis zu 60 000 € zu fördern, soweit die jeweiligen Kommunen und Länder diese in jeweils gleicher Höhe bezuschussen. Der Haushaltsgesetzgeber in Rheinland-Pfalz hat im Doppelhaushalt 2009/2010 insgesamt 100 000 € für die Gewaltprävention, insbesondere für die Arbeit der rheinland-pfälzischen Fanprojekte zur Verfügung gestellt. Insoweit sind in Kürze Gespräche mit den Fanprojekten bezüglich der weiteren Finanzierung in den nächsten Jahren zu führen.

Karl Peter Bruch
Staatsminister